Mittwoch, 19. Juli 2017
Tee oder Kaffee?
Seit mittlerweile vier Jahrzehnten genieße und liebe ich den Tee von Heyck in Kiel, ich halte ihn für den besten der Welt. Bei meinem Einkauf heute gab es aber eine Premiere: Ich habe vor ein paar Tagen einen Kaffeezubereiter geschenkt bekommen, er ist ziemlich klein und fasst nur zwei Tassen – perfekt für mich. Ich kann literweise Tee trinken, von Kaffee bekomme ich hingegen schnell Herzklopfen.

Auch bei Kaffee hat Heyck eine große Auswahl, aber mir war klar, dass nur eine Sorte in Frage kommen kann: Die „Kieler Mischung“ ist speziell auf den Härtegrad unseres Wassers abgestimmt, so soll ein größtmöglicher Genuss erreicht werden. Und – es klappt! Ich trinke meinen Kaffee schwarz, anders als Tee, den ich süße. Die Kieler Mischung schmeckt aromatisch und sehr angenehm, überhaupt nicht bitter – ich mag sie sehr. Ich habe heute nur eine kleine Probemenge mitgenommen, ich werde in den nächsten Tagen sicher wieder einmal einkaufen, und auch dort das große Angebot versuchen – beispielsweise eine der aromatisierten Sorten. Wie wohl Schoko-Chili-Kaffee schmeckt?

Ich bin in Kiel stark verwurzelt. Mit Tee von Heyck hatte ich immer ein Stück Heimat bei mir, auch wenn ich weit entfernt war – ich habe ihn auch in Istanbul getrunken. Jetzt kommt auch der Kaffeegenuss dazu. Egal, wo ich bin, ich kann Kiel überall schmecken.

https://heyck.de/

https://heyck.de/kaffee/nicht-aromatisierte-sorten/287/kieler-mischung.html

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Dienstag, 18. Juli 2017
Mehr Musik aus den Niederlanden
Ich wundere mich manchmal über meinen eigenen Musikgeschmack. Ich habe vor ein paar Tagen über Boef und Lil‘ Kleine berichtet, ihre Lieder haben mich dazu gebracht, mehr niederländischen Hip-Hop zu hören. Ich wurde quasi angefixt, ich höre seit Tagen privat nichts anderes. Hier ist eine kleine Auswahl, vielleicht kann ich ja sogar einen Leser anstecken. Boef wurde tatsächlich einer meiner aktuellen Lieblingssänger.











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Montag, 17. Juli 2017
Bootshafensommer
Es ist wieder soweit:

Der Bootshafensommer findet seit einigen Jahren, wie der Name schon sagt, am Bootshafen in Kiel statt. Vom 21.7. bis zum 26.8. gibt es immer freitags und samstags zahlreiche Konzerte mit ganz unterschiedlicher Musik; viele der Künstler kommen aus der näheren Umgebung. Eine Besonderheit ist die schwimmende Bühne. Am Ufer, wenige Meter entfernt, gibt es einige kulinarische Stände, viele Sitzbänke laden zum Verweilen ein, und dazu kommen einige Vereinigungen und Verbände, die an bestimmten Tagen über ihre Arbeit informieren. Wer möchte, kann auch Gast bei einem der mittlerweile vier Gastronomiebetriebe am Wall sein (ein fünfter entsteht gerade), auch von den Außenplätzen dort kann man das Geschehen gut verfolgen. Das „Cup&Cino“ ist neben der Deichperle am Falckensteiner Strand sogar offizieller Partner des Bootshafensommers.

https://www.kiel-sailing-city.de/veranstaltungen/innenstadt-events/bootshafensommer.html

Ich habe versucht herauszufinden, wer die musikalischen Gäste am ersten Wochenende sind, und ich bin fast immer fündig geworden. Hier sind sie in chronologischer Reihenfolge:

Hanna Meyerholz, Freitag, 15 Uhr



Frink, Freitag, 16 Uhr



Happy Hill Grasscutters, Freitag, 17 Uhr



The Coast Guard$, Freitag, 19 Uhr



Evil Cavies, Freitag, 20 Uhr



Plastic Skanksters, Freitag, 21.30 Uhr



Janina Dunklau, Samstag, 14 Uhr



Sören Fraas, Samstag, 15 Uhr



Mojo Riot, Samstag, 16 Uhr



Tom Brakl, Samstag, 17 Uhr



Anchor in Ink, Samstag, 18.30 Uhr



Rakete Mendoza, Samstag, 20 Uhr



Drunken Swallows, Samstag, 21.30 Uhr

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Sonntag, 16. Juli 2017
Musik aus den Niederlanden
Ich möchte heute gern zwei Musiker vorstellen, die ich beim Stöbern internationaler aktueller Musik gefunden haben. Beide sind derzeit in den Niederlanden sehr populär.

Boef ist Franzose, singt – oder besser rappt – aber auf Niederländisch. Geboren wurde er 1993 in Aubervilliers. Obwohl er erst seit gut einem Jahr musikalisch aktiv ist, konnte er schon mit mehreren Liedern die ersten zehn Plätze der niederländischen Verkaufsliste erreichen. Mit seinem aktuellen Album kam er dort sogar auf Platz 1. Einige Erfolge erzielte er auch im flämischen Teil Belgiens.

Lil‘ Kleine ist ein Jahr jünger und wurde in Amsterdam geboren. Auch er ist seit 2016 als Rapper aktiv, hatte aber noch nicht ganz so viele Hits wie sein Kollege Boef.

Ich mag, im Gegensatz zu vielen Bekannten, den Klang der niederländischen Sprache sehr. Und ich mag Rap, der nicht auf Englisch gesungen oder besser gesprochen wird. Beides kommt bei diesen beiden jungen Männern zusammen, sodass ihre Lieder derzeit zu meiner bevorzugten Musik gehören. Hier ist eine kleine Auswahl:





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Samstag, 15. Juli 2017
Damals
Ich habe durch Zufall bei Youtube ein Video entdeckt, das in mir viele Erinnerungen weckt. Und mir wird wieder einmal klar, dass ich nicht alt werde, sondern bin, und dass ich immer mehr zu „Früher war alles besser“-Generation gehöre.

Bei jedem gezeigten Bild hatte ich sofort ein Bild vor Augen, das mich mit dem Gezeigten verband, gelegentlich habe ich auch Dinge gesehen, die ich vergessen hatte. Oft ging ein breites Lächeln über meine Lippen.



Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Großvater; ich war damals um die 20, Opa Mitte 80. Oma besuchte ihren Frauen-Bildungsverein, den Opa immer „Kaffeetantenclub“ nannte, so hatten wir ein Gespräch „unter Männern“. Er kramte ein altes Foto hervor, auf dem Oma stilecht als Charleston-Tänzerin zu sehen war. Das Kleid war gerade geschnitten, also nicht hüftbetont, ging ungefähr bis zu den Knieen, und hatte unten eine Art Bordüre mit Fransen. Um die Stirn trug Oma ein Stirnband mit einer Feder. Opa erzählte, dass um 1925 herum ein Tanzfest in einem Lokal stattfand, das meinen Urgroßeltern gehörte. Opa war dort zu Gast und lernte Oma – die Tochter des Hauses – kennen, die hauptsächlich bediente, sich aber gelegentlich auch unter die Tanzenden mischte. Dabei ist es wohl um Opa geschehen… Er sagte, dass die damalige Zeit mit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise sicher hart war, später holte Oma mittags den täglich ausgezahlten Lohn bei Opa an seiner Arbeitsstelle ab, weil das Geld schon abends nichts mehr wert war. Trotzdem überwogen bei ihm die angenehmen Erinnerungen, und immer noch sah er, wenn er ein Charleston-Lied hörte, Oma vor sich, wie sie das Tanzbein schwang.

Genauso geht es mir heute. Nein, ich habe die Ölkrise, die Baader-Meinhoff-Bande und Tschernobyl nicht vergessen. Aber in den 1970ern und 1980ern, in meiner Kindheit und Jugend, war ich mit meiner Welt vollkommen zufrieden, ich habe sehr gern und auch intensiv gelebt. Heute fühle ich mich immer mehr wie ein Fremder, viele Entwicklungen mache ich bewusst nicht mit, andere gehen spurlos an mir vorbei.

Durch Opas Erzählungen kam es mir vor, als hätte auch ich die „Goldenen Zwanziger“ erlebt, zumindest konnte ich das damalige Lebensgefühl nachempfinden. Mich würde interessieren, was die Menschen, die heute zwischen 15 und 25 Jahre alt sind, beim Anblick der Bilder aus dem Video denken. Können sie überhaupt alles richtig zuordnen? Und das, was für Opa der Charleston war, ist für mich die Disco-Welle der späten 1970er Jahre. Damals habe ich die Nächte durchgetanzt.

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Freitag, 14. Juli 2017
Facebooks Kriterien
Ich lese immer wieder, dass Profile von Verstorbenen bei sozialen Netzwerken wie Facebook in eine Art Ruhestatus gesetzt werden können, und dass selbst nahe Angehörige danach bestimmte Daten nicht mehr aufrufen oder einsehen können.

Ich mache die umgekehrte Erfahrung: Ich weiß von drei meiner Facebook-Kontakte, dass diese nicht mehr leben. Aus ihren Profilen geht das allerdings nicht hervor, immer wieder gibt es sogar die makabre Situation, dass (offenbar eher entfernte) Bekannte längst Toten zum Geburtstag gratulieren. Alle Einträge auf den jeweiligen Seiten sind problemlos möglich, in einem Fall wurde der Name mit einem „RIP“ ergänzt, aus den anderen beiden ist nicht ersichtlich, dass die Inhaber verstorben sind.

Ich verstehe das Vorgehen und die Kriterien der Anbieter (ich habe z.B. auch bei Twitter ein Konto) nicht. Ich nutze die Seiten, weil es für mich eine bequeme und oft sogar die einzige Möglichkeit ist, Kontakt zu Bekannten zu halten, die weit entfernt leben und die ich oft seit mehreren Jahren nicht sehen konnte. Ansonsten sind sie mir eher suspekt, bei eher privaten Angaben halte ich mich natürlich zurück.

Übrigens veröffentlicht keiner meiner Kontakte Katzenbilder oder Fotos von seinem Essen.

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Dienstag, 11. Juli 2017
Faber
Ich möchte heute gern auf einen Sänger aufmerksam machen, den ich auf meinem derzeitigen Lieblingsradiosender Cosmo schon öfters gehört habe und den ich sehr bemerkenswert finde.

Faber kommt aus der Schweiz und singt Lieder mit deutschen Texten. Ich mag die schnoddrige Art, mit der er seine Titel präsentiert. Gelegentlich erinnert er mich an seinen Landsmann Stephan Eicher, der vor etwa zwanzig Jahren ähnliche Musik machte, allerdings in verschiedenen Sprachen.







Einige Kritiker merken an, Faber habe für sein junges Alter eine reife Stmme. Diese Einschätzung teile ich nicht, ich verweise gern noch einmal auf Stephan Eicher, der damals ungefähr gleich alt war wie Faber jetzt. Ich denke aber, Faber besetzt eine Nische, mir fällt kein aktueller Künstler ein, mit dem man ihn vergleichen kann.

Ich bin gespannt, wie sich Fabers Karriere entwickelt.

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Montag, 10. Juli 2017
Noch einmal: G20
Ich möchte noch einmal, abschließend, ein paar Worte zum G20-Gipfel schreiben.

Mir gehen die Leute auf die Nerven, die im Nachhinein alles besser wissen. Reflexartig werden Rücktritte gefordert, es wird konstatiert, dass alle Ereignisse im Voraus absehbar waren, die Polizei habe zu hart gehandelt (wegen des Demonstrationsverbots und des Auflösens von Zeltlagern), aber auch zu weich (wegen des fehlenden Eingreifens gegen die Randalierer im Schanzenviertel), und vieles mehr. Liebe Leute, bitte macht vor (nicht nach!) der nächsten Großveranstaltung einen konstruktiven Vorschlag, was man anders machen kann, und unterbreitet ihn den Verantwortlichen. Ich bin sicher, dass ihr dort auf offene Ohren stoßen werdet. Später alles besser wissen und pauschal alles kritisieren, ist dumm, kontraproduktiv und destruktiv.

Sicher hätte vieles besser laufen können, und mir tun insbesondere die geschädigten Anwohner sehr leid, aber auch die Polizisten, die eine hervorragende Arbeit leisteten und unnütz gegen einen wütenden Mob kämpfen mussten, statt sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.

Ich habe in einem früheren Eintrag geschrieben, dass auch ich einiges anders gemacht hätte. Allerdings fehlen mir die Details und das Fachwissen, sodass ich mir nicht anmaße, meine vorgeschlagenen Lösungen für besser zu halten.

Ich habe am Ende der Kieler Woche ein dickes Dankeschön an die Polizei und die sonstigen Ordnungskräfte ausgesprochen. Diese gilt genauso auch für ihre Kollegen in Hamburg. Es ist hart, von denen angegriffen zu werden, die man eigentlich beschützen soll – umso mehr Hochachtung habe ich vor dieser Arbeit. Bitte lasst euch nicht entmutigen und seid weiter für uns da – wir brauchen euch!

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Sonntag, 9. Juli 2017
Turandot
Ich möchte gern wieder einmal auf eine Veranstaltung in Kiel hinweisen. Puccinis Oper "Turandot" wird achtmal unter freiem Himmel auf dem Rathausplatz aufgeführt, Premiere ist am kommenden Samstag, also am 15. Juli. Das bekannteste Lied hieraus ist wohl "Nessun Dorma", hier in einer Interpretation von Luciano Pavarotti:



Die "Sommeroper" wird auf verschiedenen Großbildschirmen direkt übertragen, unter anderem im Rahmen des "Käse trifft Wein"-Festivals am Bootshafen und in den Stadtteilen Gaarden und Mettenhof.

Für alle acht Termine gibt es noch Eintrittskarten. Vielleicht kann sich der eine oder andere Leser meiner Einträge dazu durchringen, eine zu erwerben, beispielsweise hier:

http://www.eventim.de/theater-kiel-tickets.html?affiliate=EVE&doc=artistPages/tickets&fun=artist&action=tickets&erid=1736561&kuid=448221

Bislang ist noch keine der Aufführungen ausverkauft; wenn dies so bleibt, ist eine Übertragung der "Sommeropern" in den kommenden Jahren nicht gewährleistet, was ich sehr schade fände. Die Finanzierung erfolgt ohne öffentliche Zuschüsse, also nur durch Eintrittsgelder und Sponsoren.

Die "Sommeropern" finden seit 2012 jedes Jahr statt und haben viele begeisterte Anhänger. Ich hoffe, dass auch dieser Teil der beeindruckenden kulturellen Vielfalt Kiels erhalten bleibt.

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Freitag, 7. Juli 2017
G20
Der G20-Gipfel in Hamburg ist in vollem Gang, und er verläuft so, wie ich es erwartet habe: Krawalle und Ausschreitungen auf den einen Seite, leeres Geschwafel auf der anderen.

Ich weiß, es ist einfach, als Außenstehender zu kritisieren, und ich bin mehr als froh, dass ich keinerlei Verantwortung für die zahlreichen im Rahmen des Treffens zu fällenden Entscheidungen habe. Ich erlaube mir dennoch, einige Gedanken zu diesem Geschehen zu äußern.

Beginnen möchte ich mit dem „Welcome to hell“-Marsch, der am Donnerstag schon nach wenigen Metern abgebrochen wurde und der Randale nach sich gezogen hat. Hier fällt mir auf, dass die Polizei schon im Vorfeld darauf hinwies, dass sie bis zu 8.000 Gewaltbereite erwartete. Dies diente auch als Begründung dafür, dass Zeltlager im Vorfeld geräumt wurden, auch wenn sie von Gerichten eigentlich genehmigt waren. Ich denke, es hätte vielleicht zur Deeskalation beigetragen, wenn die Ordnungshüter weniger martialisch und aggressiv aufgetreten wären. Ich habe im Hinterkopf, dass es ihre Aufgabe ist, die Grundrechte zu schützen, zu denen auch die Demonstrationsfreiheit gehört, und nicht, diese zu bekämpfen. Ich weiß nicht, ob es logistisch möglich gewesen wäre, aber ich denke, es wäre besser gewesen, den kriminellen Teil der Demonstranten zu trennen und die Meinungsfreiheit des großen Rests dadurch zu gewährleisten. Ich habe versucht, viele unterschiedliche Medien zu verfolgen (mein besonderer Dank geht an NDR Info), ich möchte niemandem die Schuld zu den Eskalationen zuweisen, ich denke, wie immer haben beide Seiten Fehler gemacht. Ich muss an Fußballspiele denken, die von Hooligans gestört werden – hier gelingt es oft, diese von den Fans zu trennen. Und ich frage mich, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die angeblich gegen den Kapitalismus protestieren wollen und dabei das Hab und Gut ihrer unbeteiligten Mitmenschen sinnlos und mutwillig zerstören.

Als nächstes möchte ich auf die Teilnehmer eingehen. Ich habe das Prinzip verstanden, dass sich die wirtschaftlich und politisch stärksten und wichtigsten Länder treffen. Ich würde es aber begrüßen, wenn mehr direkt Betroffene dabei wären; bei den Fragen zum Klima beispielsweise Pazifik-Inseln wie Vanuatu, zur Flüchtlingsproblematik Nigeria oder Libyen, zum Konflikt im Nahen Osten Syrien, um nur drei Beispiele zu nennen. Ich bezweifle, dass die anwesenden Regierungschefs und ihre Lakaien die nötige Fachkompetenz haben.

Ja, ich kenne die Argumente, die dafür sprechen, ein solches Ereignis mitten in einer Metropole wie Hamburg stattfinden zu lassen. Ich denke, der Aufwand und das Ergebnis stehen in keinem Verhältnis zueinander. Es ist schön, wenn sich Hamburg als weltoffen präsentieren möchte, aber wenn das bedeutet, dass die eigenen Anwohner und Anlieger massiv beeinträchtigt und eingeschränkt werden, klafft da meines Erachtens eine Schere. Ebenso sehe ich es, wenn friedliche Mitmenschen, also die Mehrheit, an Demonstrationen gehindert werden, aber ein Kapitalverbrecher wie Erdoğan geschützt wird. Den Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern gegen ihn hätte ich deutlich logischer gefunden. (Ja, ich wünsche ihm und jedem seiner Anhänger alles erdenklich Schlechte.)

Mehrere Kommentatoren nannten als alternativ mögliche Veranstaltungsorte Helgoland, einen Flugzeugträger mitten auf dem Ozean oder den Sitz der UN in New York. Mit zwei dieser Vorschläge wäre ich einverstanden; ich denke nicht, dass man den Helgoländern die Belastungen zumuten sollte, die die Hamburger jetzt ertragen müssen. Der Flugzeugträger hingegen ließe ein wesentlich schlankeres Sicherheitskonzept zu, und in New York treffen sich die vorgeblich Wichtigen sowieso – warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Möglichkeit, sich als weltoffen zu präsentieren, hatte Hamburg, als es um die Austragung der Olympischen Spiele ging; diese wurde jedoch von den Einwohnern abgelehnt. (Wir Kieler haben damals dafür gestimmt, ich bin auch knapp anderthalb Jahre später noch sauer auf die Hamburger.) Bei diesem Anlass hätte man die Welt friedlich vereinigen können und ein sehr positives Signal gesetzt. Stattdessen bietet man einem kleinen Haufen zivilisationsfeindlicher Krimineller ein Podium, das ausschließlich negative Ergebnisse hat.

Der Gipfel wird in einigen Stunden vorüber sein, an Ergebnisse wird sich niemand erinnern, einfach, weil es keine gab, und in Hamburg beginnen die Aufräumarbeiten. Hier kommt den dortigen Bewohnern ihre sprichwörtliche hanseatische Gelassenheit vermutlich sehr entgegen. Ich wünsche der Stadt, dass sie eine solche bombastische Farce nie wieder ertragen muss. Mein Mitgefühl gilt insbesondere denjenigen, die zu Schaden gekommen sind oder die wirtschaftliche Einbußen erlitten haben und den Polizisten, die gegen ihre persönliche Überzeugung handeln und die falsche Seite beschützen mussten.

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Andere Länder, andere Sitten
Gestern war das Wetter optimal, die Sonne schien, es war nicht zu heiß – Grund genug für mich, eine Art Probedurchlauf zu unternehmen. Seit meinem Unfall vor knapp neun Jahren und den damit verbundenen Gleichgewichtsstörungen bin ich nicht mehr Schiff gefahren. Demnächst bin ich zu einem Treffen eingeladen, das am besten auf dem Wasserweg zu erreichen ist. Ich habe also ausprobiert, ob ich dorthin kommen kann.

Um es kurz zu machen: Ja, es funktioniert. Zwar habe ich auf dem Steg, die die Fähre mit dem Festland verband, etwas geschwankt, aber ich konnte mich beidseitig festhalten, brauchte also keine fremde Hilfe.

Ich habe die Strecke vom Kieler Hauptbahnhof nach Laboe gewählt, einem Ort an der Förde, der nicht zuletzt durch sein markantes Marineehrenmal bekannt ist. Dort fand ich eine bunte Mischung aus Einheimischen und Touristen, für die der Aufenthalt auf dem Meer offenbar etwas sehr Spezielles war, sie staunten über Anblicke, die uns Ansässigen vertraut sind. Interessant war es, die verschiedenen Dialekte zu hören – ich stelle nach wie vor fest, dass ich Schwedisch besser verstehe als Schwäbisch.

In Laboe habe ich ein Fischbrötchen genossen – die dortigen sind hervorragend, bin aber bald mit dem Bus nach Kiel zurückgefahren. Die Sonne habe ich dort in einem Café am Bootshafen genossen, das ich gut kenne. Dort habe ich die Kellner bewundert: Ich weiß, dass es, was die Gastronomie angeht, in verschiedenen Ländern ganz verschiedene Gebräuche und Sitten gibt. Die Kunst liegt normalerweise darin, die jeweils ortstypischen anzunehmen.

Dies war bei einer Gruppe junger Leute leider nicht der Fall. Im vorderen Außenbereich des Cafés befinden sich kleine Tische mit je zwei Stühlen; größere Sitzgruppen gibt es weiter hinten oder innen. Die Gruppe, deren Sprache ich nicht identifizieren konnte, bestand aus fünf Personen, sie stellten also drei unbenutzte Stühle von anderen Tischen an ihren. Dann bestellten sie sich ein Mineralwasser für alle fünf und unterhielten sich angeregt.

Das Personal nahm dies zunächst unkommentiert zur Kenntnis. Nach etwa einer Stunde, und nachdem mehrere Interessenten gegangen waren, weil sie keinen freien Platz fanden, bat einer der Kellner freundlich, aber bestimmt, entweder noch etwas zu bestellen (das Mineralwasser war inzwischen abgestanden und von der Sonne erwärmt, aber immer noch halb voll) oder den Platz zu räumen – verbunden mit dem Vorschlag, einen größeren Tisch innen zu wählen. Eine der jungen Damen protestierte und schrie in akzentfreiem Deutsch etwas von Ausländerfeindlichkeit, ihre vier Begleiter wiesen sie aber sofort zurecht, bezahlten sofort (mit Trinkgeld!) und gingen.

Indirekt fühlte ich mich in meiner Arbeit mit Flüchtlingen bestätigt. Ich bringe ihnen gern die deutsche Sprache bei, versuche aber dabei auch, ihnen unsere Kultur näherzubringen und zu vermitteln. Integration bedeutet für mich nicht ein planloses Nebeneinander verschiedener und sich teilweise widersprechender Kulturen, sondern ein echtes Miteinander, und das bedeutet auch die Akzeptanz unseres Lebens, denn wir können nicht dutzende andere Gebräuche annehmen, und warum sollten wir auch.

Diese Ansicht unterscheidet mich von vielen „Gutmenschen“ und entspricht in Ansätzen sogar eher derer der AfD- oder Pegida-Kriminellen. Der große Unterschied ist: Ich möchte sehr gern, dass jeder Mensch, der es möchte, bei uns leben kann, völlig egal, ob ein Asylgrund besteht oder nicht. Ich versuche im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten lediglich das Entstehen von Parallelgesellschaften zu vermeiden. Am Wochenende treffe ich mich mit einer ukrainischen Familie und mit einem Afghanen. Ich hoffe, dass dadurch echte Freundschaften entstehen und dass die Herkunft irgendwann egal ist – so wie es jetzt auch keine Rolle spielt, ob jemand Petersen oder Prczywulsky heißt.

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Donnerstag, 6. Juli 2017
Früchte des Unterrichts :-)
Gestern hörte ich von einem schönen Ergebnis meiner Deutschkurse. Eine Teilnehmerin erzählte mir, dass sie die Schule ihrer Tochter besuchte. Die Deutschlehrerin (!) fragte sie: „Sind Sie die Mutter von Emilia?“ Die Teilnehmerin antwortete „Ich bin Emilias Mutter.“

Ich freue mich, dass der Stoff, den ich vermittle, auch in der Praxis angewendet wird. Und ich freue mich, dass sie Teilnehmer auch den vermeintlich Höherstehenden gegenüber selbstbewusst auftreten.

Ich habe die Teilnehmerin und ihre Familie eingeladen, mit mir zusammen das Brückenfestival am Wochenende zu besuchen. Dort lade ich sie gern zu einem Getränk ihrer Wahl ein. Wir können dann auf den Genitiv anstoßen.

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Mittwoch, 5. Juli 2017
Künstlerische Freiheit?
Ich höre oft und gern deutschsprachige Musik; meine Erwartungen an die Texte sind dabei recht unterschiedlich. Meist finde ich sie eher belanglos, ich freue mich dann, wenn sie zumindest grammatisch richtig sind, was leider immer seltener der Fall ist. Einige Künstler erzählen in ihren Liedern ganze Geschichten, was mir gut gefällt – als Beispiele möchte ich Reinhard Mey und Ludwig Hirsch nennen, aber es gibt auch aktuellere Poeten unter den Sängern und Textern. Ärgerlich werde ich lediglich, wenn ein Interpret Tiefsinnigkeit vorgibt, die aber in Wirklichkeit nicht ansatzweise vorhanden ist.

Als Beispiel habe ich „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen herausgesucht, weil das Lied relativ oft im Radio gespielt wird, und weil ich nicht ansatzweise verstehe, wie die Botschaft ist. Vielleicht kann mir ein Leser meiner Einträge helfen? Hier ist der komplette Text – meine Anmerkungen und Fragen habe ich in Klammern hinzugefügt.

„Die Verträge sind gemacht (welche? Von wem?)
Und es wurde viel gelacht (warum?)
Und was Süßes zum Dessert (… gegessen? Weggeworfen? Warum kein Verb? Wann? Wobei?)
Freiheit, Freiheit
Die Kapelle, rum-ta-ta (Ist das der Name der Kapelle?)
Und der Papst war auch schon da (Wo? Wann? Warum?)
Und mein Nachbar vorneweg (Wobei? Wo ist der Zusammenhang?)
Freiheit, Freiheit,
Ist die einzige, die fehlt (Wo? Wobei?)
Freiheit, Freiheit,
Ist die einzige, die fehlt
Der Mensch ist leider nicht naiv (Das sehe ich anders)
Der Mensch ist leider primitiv
Freiheit, Freiheit,
Wurde wieder abbestellt (Von wem? Wo? Bei wem?)
Alle, die von Freiheit träumen,
Sollen's Feiern nicht versäumen, (Wer sagt das?)
Sollen tanzen auch auf Gräbern (Warum?)
Freiheit, Freiheit,
Ist das einzige, was zählt (… das zählt.)
Freiheit, Freiheit,
Ist das einzige, was zählt“



Ich würde mich wirklich freuen, wenn mir jemand erklären könnte, wo hier der tiefere Sinn liegt. Bis dahin halte ich das Lied für eines der ärgerlichsten und überflüssigsten, die ich kenne.

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Dienstag, 4. Juli 2017
Endspurt
In ein paar Tagen ist es so weit, die Teilnehmer eines meiner Deutschkurse legen eine DTZ-Prüfung, das heißt Deutsch für Zuwanderer, ab. Die Kriterien hierfür werden in sechs Gruppen aufgeteilt, die Bezeichnungen sind A1, A2, B1, B2, C1 und C2. Ziel der Prüfung ist der Nachweis über Kenntnisse der Kategorie B1, das beinhaltet, dass man Deutsch angemessen versteht (was das Hören und das Lesen angeht), und dass man sich mündlich und schriftlich verständlich machen kann. Die Prüfung hat vier Teile, sie wird von zwei diplomierten Lehrern durchgeführt, von denen mindestens einer die Teilnehmer nicht persönlich kennt. Die Auswertung erfolgt maschinell, die Ergebnisse müssen daher auf standardisierten Lösungs- und Bewertungsbögen niedergeschrieben werden.

Menschen, die ein B1-Zertifikat haben, können damit nachweisen, dass sie in Alltagssituationen der deutschen Sprache mächtig sind; das ist insbesondere bei der Arbeitssuche wichtig, vor allem bei Berufen mit wenig Publikumsverkehr. Für viele von ihnen ist es zumindest ein Einstieg in ein Leben, in dem sie nicht auf Transferleistungen angewiesen sind, sondern ihr eigenes Geld verdienen. Anerkannte Asylanten und Asylbewerber aus bestimmten Ländern, namentlich Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia, nehmen an Integrationskursen teil, in deren Rahmen die Prüfungen abgelegt werden. Wir kümmern uns um den „Rest“ - also um Asylbewerber, bei denen der Ausgang des Verfahrens ungewiss ist. Aktuell arbeite ich mit vielen Leuten aus Armenien und Afghanistan zusammen. Mir persönlich – und ich glaube, ich spreche da auch für die meisten meiner Lehrkraftkollegen – ist die Herkunft der Teilnehmer egal, ebenso wie die Chance, dass ihr Antrag bewilligt wird. Der große Unterschied zu den „sicheren“ Kollegen der Teilnehmer ist, dass sie die Prüfungen selbst bezahlen müssen – sofern die Lehrgänge, wie in unserem Fall, von der ZBBS organisiert werden, übernimmt diese einen Anteil, den Prüflingen verbleiben 50 €, viel Geld für jemanden, der von den staatlichen Leistungen für Asylbewerber leben muss. Dementsprechend motiviert sind die Teilnehmer in meinem Kurs.

Ich kenne diese Menschen seit über einem Jahr, in Ausnahmefällen sogar schon zwei Jahre, wobei es immer wieder Fluktuationen gab. Sie alle sind mir ans Herz gewachsen, ich vermisse sie schon jetzt, und vielleicht bin ich aufgeregter, was die Ergebnisse angeht, als sie selbst.

Meine Kolleginnen und ich haben den Kurs anhand von Lehrbüchern und standardisierten Probetests lange auf die Prüfung vorbereitet, gestern hatte ich das Erfolgserlebnis, dass auch einige von ihnen, deren Kenntnisse ich als eher etwas schwächer einstufe, hervorragende Antworten gegeben haben, ich bin zuversichtlich – ich hoffe, die Nervosität spielt ihnen keinen Streich. Und ich hoffe, dass ich mit einigen – möglichst vielen – von ihnen auch in Zukunft in Kontakt bleibe, ich mag sie alle sehr gern.

Wie geht es danach weiter? Ob für die Kursteilnehmer nach der (hoffentlich erfolgreich) abgelegten Prüfung noch weitere Lehrgänge von der ZBBS angeboten werden, weiß ich nicht. Ursprünglich waren wir davon ausgegangen, dass es maximal ein halbes Jahr dauert, bis über einen Asylantrag entschieden wird, daher waren unsere Lehrgänge auch ursprünglich auf sechs Monate angelegt – de facto dauert es meist viel länger. Ich hoffe natürlich, dass viele von ihnen eine Arbeitsstelle finden, aber neben dem Nachweis der Deutschkenntnisse ist oft auch der ungeklärte Aufenthaltsstatus ein Problem für sie. Es ist wichtig, dass sie weiter und intensiv mit der Sprache in Kontakt bleiben, ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man Wörter und Grammatik vergisst, wenn man nicht in Übung ist. Egal in welcher Form, ich stehe für sie alle gern auch persönlich zur Verfügung, aber ich dränge mich natürlich nicht auf.

Ich habe in zweieinhalb Jahren als Dozent und in mehr als 300 Unterrichtseinheiten eine Art von Routine entwickelt, aber jetzt, da es in die Schlussphase geht, entwickle ich einen gewissen Ehrgeiz, ich bereite mich intensiv auf die wenigen verbliebenen Stunden vor. Zumindest an mir soll es nicht liegen, wenn es nicht klappt!

Ganz generell denke ich, dass die Entscheidung, ehrenamtlich Deutschunterricht zu geben, eine der besten meines Lebens war. Es ist schön, die Fortschritte zu sehen, und natürlich auch sehr angenehm, wenn man positive Rückmeldung bekommt. Ich hoffe, dass ich noch viele Menschen treffe, die ich bei ihren ersten Schritten in Deutschland begleiten kann.

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Sonntag, 2. Juli 2017
Radio
Ich habe immer schon gern Radio gehört, seit ich auf Fernsehen verzichte, ist es meine bevorzugte Informationsquelle.

Ich höre mehrere Radiosender gern, oft hängt dies mit der Tageszeit zusammen. Vormittags bevorzuge ich beispielsweise NDR 2, insbesondere das Nachrichten-Journal um 12 Uhr gefällt mir ausgezeichnet. Zwischen 20.15 und 22 Uhr wähle ich gern NDR Info, ob jetzt die Redezeit, die Hörspiele am Wochenende oder die Musikprogramme – ich mag sie alle. Danach wechsle ich zum Deutschlandfunk, auch hier ist es die Mischung aus Musik (oft solche, die ich normal eher selten höre) und Informationen, die mir gefällt. Wenn ich nachts Radio höre, weil ich nicht schlafen kann, gibt es nichts besseres als die ARD-Infonacht, die ich über NDR Info spezial empfange.

Zu so etwas wie meinem Haussender hat sich Cosmo entwickelt; bis zum letzten Jahreswechsel hieß der Sender noch „Funkhaus Europa“, ausgestrahlt wird er vom WDR. Die Musikmischung ist optimal, neben einigen aktuellen „Mainstream-Liedern“ hört man auch viele aktuelle Lieder beispielsweise aus Arabien, Südamerika oder Afrika, dazu kommen informative und oft auch kontroverse Textbeiträge, teils zu Themen, über die andere Sender selten berichten.

Zum Empfang dieses Senders bin ich aufs Internet angewiesen, sodass ich ihn leider nur zuhause hören kann; vielleicht übernimmt ihn ja irgendwann das Digitalradio in Schleswig-Holstein.

Zwei der Möglichkeiten, Cosmo zu hören:

http://cosmo.radio.de/

http://www1.wdr.de/radio/cosmo/

Hier sind einige Lieder, die ich immer wieder auf Cosmo höre, und die ich ohne den Sender vermutlich nicht kennen würde:









Ich hoffe, ich habe einige Leser, die den Sender noch nicht kannten, neugierig gemacht. Einfach mal hineinhören – es lohnt sich!

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