Samstag, 27. Mai 2017
Ramadan
Heute beginnt der Ramadan; ich nehme diesen Termin in jedem Jahr zur Kenntnis, weil viele Sprachschüler in meinen Kursen Muslime sind und diesen Fastenmonat einhalten.

Die Feierlichkeiten nach dem islamischen Kalender verschieben sich in jedem Jahr um zehn Tage nach vorn, derzeit fällt der Ramadan in den Sommer, in ein paar Jahren wird er im Frühjahr oder im Winter abgehalten.

Auf den Unterricht wirkt sich die Einhaltung dieser Regeln oft durch Konzentrationsstörungen aus. Wenn dem Körper insbesondere an heißen Tagen von frühmorgens bis spätabends jede Nahrung verweigert wird, reagiert der Körper mit Einschränkungen bestimmter Funktionen. Im Sommer ist die Zeit zwischen Sonnenauf- und -untergang länger als im Winter, zudem sind die Tage in Nordeuropa länger als im Orient. Die selbstgewählte Zeit ohne Essen und Trinken ist also besonders lang.

Mein Mitgefühl hält sich allerdings in Grenzen. Ich habe zu allen Religionen ein distanziertes Verhältnis, ich halte sie, höflich gesagt, für überflüssig, egal, ob Jesus, Mohammed oder Dagobert Duck angebetet wird. Wer meint, den dort auferlegten Regeln nachkommen zu müssen, kann dies natürlich gern tun, allerdings sollte dies auf den normalen Tagesablauf keinen Einfluss haben. Ich bereite die Teilnehmer meines Kurses auf eine kostenpflichtige Prüfung vor, die im Juli abgehalten wird und bei der sie ein offizielles Zertifikat ihrer Kenntnisse bekommen können. Wenn sie meinen, den Lernerfolg durch irgendwelchen Allah-Klimbim in Frage stellen zu müssen, ist ihnen das natürlich unbenommen; ich hoffe, dass ihnen das Geld für die Prüfungsgebühr nicht allzu leid tut, wenn sie aufgrund des Fastens Unterrichtsstoff nicht wie erwünscht aufnehmen können.

Ich habe mir vor ein paar Jahren überlegt, ob es sinnvoll ist, sich solidarisch zu zeigen und während des Ramadans zumindest in Anwesenheit der Muslime auf Speisen zu verzichten. Aber: Wozu? In meinen Kursen rede ich etwa zwei Stunden lang, da ist jeder Schluck Kaffee oder Cola willkommen.

Ja, die Religionsfreiheit gehört zu den Freiheiten, die wir in Deutschland genießen und die ich sehr schätze. Dazu gehört aber auch, keiner Religion anzugehören, eine Option, für die ich mich vor vielen Jahren entschieden habe. Und mir sind alle Bräuche, die auf Religionen beruhen, grundsätzlich suspekt. Ich akzeptiere sie, aber ich erwarte auch, dass mein Gegenüber akzeptiert, dass ich sie nicht befolge.

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Freitag, 26. Mai 2017
Kieler Woche
Heute ist das Programm zur Kieler Woche erschienen – ein Termin, auf den ich mich in jedem Jahr freue. Zwar sind einige Veranstaltungen schon vorher bekannt, aber ich bin immer glücklich, wenn ich alle Punkte schwarz auf weiß vor mir habe.

Viele Programmpunkte ähneln sich natürlich immer wieder, die Windjammerparade hat ebenso Tradition wie der Holstenbummel zur Eröffnung. Wer in diesem Jahr die Eröffnungsrede halten wird, ist übrigens noch nicht bekannt – gerüchteweise sollen Verhandlungen mit Bundespräsident Steinmeier laufen. Natürlich können wir auch immer die offiziellen Segelregatten verfolgen, das sportliche Zentrum befindet sich am Olympiazentrum in Kiel-Schilksee, aber auch an vielen anderen Stellen werden die Wettbewerbe übertragen.

Der Internationale Markt auf dem Rathausplatz bietet seit vielen Jahren kulinarische und kulturelle Spezialitäten aus vielen Ländern, das Angebot ist allerdings immer etwas anders. Diesmal vermisse ich die Stände aus Schweden, Norwegen und Frankreich, nach längerer Pause ist dafür Griechenland wieder dabei. Kamerun und Australien findet man gegenüber von den Niederlande, Ruanda ist neben Polen – eine Weltreise ist hier schnell möglich.

Überall in der Stadt findet man Kleinkünstler, in diesem Jahr sind 200 Auftritte geplant. Das Angebot an Artisten und Sängern ist erfahrungsgemäß sehr bunt.

Wie immer finden viele Konzerte statt, fast alle kostenlos. Die Bühnen hierzu sind auf die gesamte Innenstadt von der Hörn bis zur Landesregierung verteilt. Zu den Künstlern, die sich angesagt haben, gehören Max Giesinger, Amy Macdonald, Michael Patrick Kelly (früher Kelly Family), Wincent Weiss, Götz Alsmann, Torfrock, Max Mutzke, Albert Hammond, Milow, Alexa Feser, Alexander Knappe, Bob Geldof, Laith Al-Deen, Lukas Rieger, Yvonne Catterfeld und viele andere.

Den Abschluss bietet wie immer ein großes Feuerwerk über dem Hafen.

Noch drei Wochen, dann geht es los – ich freue mich schon sehr darauf, drei Millionen Gäste aus aller Welt in unserer Stadt begrüßen zu können.

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Donnerstag, 25. Mai 2017
Kieler Innenstadt
Ich lebe immer gern in Kiel – aber jetzt beginnen die Wochen, in denen ich mich dort besonders wohl fühle. Die Tage werden immer länger, die Kreuzfahrersaison hat begonnen, dadurch besuchen auch mehr Touristen unsere Stadt, und immer wieder gibt es kleine und große Feste, das bekannteste ist natürlich die Kieler Woche, aber auch an diesem Wochenende beispielsweise gibt es das Fest der Biere am Bootshafen. Heute ist Feiertag, auch morgen haben viele Menschen Urlaub, und das hervorragende Wetter lädt dazu ein, alle diese Aktivitäten zu genießen.

A propos Bootshafen – dieser zeigt zurzeit eindrucksvoll, wie sich das Kieler Zentrum verändert. Das frühere Woolworth-Gebäude ist fast komplett abgerissen, und auch gegenüber bei der früheren C&A-Zeile haben die Arbeiten begonnen. Auch die Vorbereitungen für den Kleinen Kiel-Kanal an der Holstenbrücke haben angefangen.

Ich fand die Veränderungen in letzter Zeit gerade in der Kieler Innenstadt sehr bedauerlich; vor 25 Jahren war die Holstenstraße eine belebte Einkaufsstraße mit vielen Fachgeschäften, heute herrschen Billigboutiquen, Handygeschäfte und 1-€-Läden vor, zudem stehen viele Räume leer. Dies hat mehrere Gründe – Einkaufszentren am Stadtrand bieten mehr und vor allem kostenfreie Parkplätze, die Mieten im Zentrum sind hoch, die Menschen kaufen lieber online – und viele Mitbürger meiden daher das Zentrum. Ich finde es schade, denn Kiel bleibt die einzige Großstadt Deutschlands, in der die Innenstadt direkt am Meer liegt, und wo man bei einer Tasse Kaffee oder einem Eisbecher beobachten kann, wie die täglichen Fähren nach Oslo oder Göteborg ablegen.

Ich habe das Gefühl, gerade in Deutschland herrscht eine Mentalität vor, nach der alles Neue zunächst einmal kritisiert wird. Ich sehe das beispielsweise in einigen Facebook-Gruppen, in denen man Fotos aus historischer Zeit sehen kann. Sobald dort ein Bild von damals gezeigt wird, antworten viele Leser reflexartig, dass früher alles viel besser und schöner war. Bedenken sie auch, wie morsch und marode viele Gebäude damals waren, und dass es oft kein fließendes Wasser gab? Kiel als strategisch wichtige Hafenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört, in der Folgezeit kamen viele Flüchtlinge zu uns, da musste der Wiederaufbau schnell gehen, auf ästhetische Aspekte wurde meist wenig geachtet. Mittlerweile werden diese optisch wenig ansprechenden Häuser aber Schritt für Schritt durch neue ersetzt, siehe Bootshafen. Natürlich sieht Kiel heute ganz anders aus als vor 100 Jahren, aber ist das nicht überall so?

Ich nehme die derzeit wirklich nicht schöne Großbaustelle mitten im Kieler Zentrum gern in Kauf und freue mich auf die Veränderungen, im Gegensatz zu meinen Mitmenschen bin ich neugierig, was die Neuigkeiten bewirken, und ich sehe sie zunächst einmal positiv. 2020 sollen die Arbeiten im Zentrum Kiels abgeschlossen sein, dann werden Menschen, die die Stadt zuletzt 2010 gesehen haben, vieles vermutlich nicht wiedererkennen.

Ich versuche, in meinem Rahmen den oben angesprochenen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, ich besuche einige Läden in der Innenstadt gern, und ich kaufe – aus mehreren Gründen – nicht online. Wenn einige Mitmenschen meinem Beispiel folgen, hat Kiel bald wieder das blühende Zentrum, das in in den 1980ern so geliebt habe.

Ich setze diesen Plan jetzt gleich in die Wirklichkeit um und freue mich über das Wetter, die Schiffe, die Möwen, die Touristen und die Weiterentwicklung.

http://www.kleiner-kiel-kanal.de/

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Sonntag, 21. Mai 2017
Barbara Dex Award 2017
Ungefähr eine Woche nach dem Eurovision Song Contest wird seit 1997 eine weitere Auszeichnung verliehen. Sie ist inoffiziell, und es ist nicht bekannt, ob sich die damit Ausgezeichneten über den Gewinn freuen – dafür wird sie von vielen Beobachtern, auch von mir, mit Spannung erwartet: Der Barbara Dex Award für das fürchterlichste Bühnenkostüm, benannt nach der belgischen Teilnehmerin 1993, die in einem leberwurstfarbenen Kleid und so etwas wie Gummistiefeln auftrat.

Hier sind die Kandidaten und das Ergebnis von diesem Jahr:



Zur Erinnerung hier die bisherigen Sieger:



Und natürlich darf die Namensgeberin nicht fehlen:

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Samstag, 20. Mai 2017
Fußball
Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie ein Fußballspiel gesehen, noch nicht einmal eines gespielt – Kiel ist Handballstadt, und das ist es auch, was in unseren Schulsportstunden stattfand. Ich habe von den Regeln wenig Ahnung, ich weiß nicht, was eine Abseitsposition ist, oder wann ein Eckstoß gegeben wird.

Im krassen Gegensatz dazu ist diese Information: Ich habe mit Spannung die Spiele heute verfolgt, und ich bin über die Tabellenstände meist im Bilde. Ich höre nämlich sehr gerne die Bundesliga-Konferenz im Radio, nebenbei verfolge ich die Spielstände im Internet.

Die heutigen Ergebnisse sind nach meinem Geschmack: Holstein Kiel steht schon seit letztem Wochenende als Aufsteiger in die zweite Bundesliga fest, heute gab es mit einem 3:0-Sieg einen standesgemäßen Abschied aus Liga 3. Der HSV hat fast in letzter Minute verhindert, ein Relegationsspiel bestreiten zu müssen – ehrlich gesagt, der Gedanke, dass es in der nächsten Saison Spiele zwischen Holstein und dem HSV gegeben hätte, behagt mir nicht. Ich habe noch das Lied „Wer ist deutsche Meister – H H H HSV“ im Ohr – fast vierzig Jahre ist das her.

A propos Relegation, mit einem Blick schaue ich auch nach unten. Eine kurze Erklärung, meine Mutter war gebürtige Meppenerin, und wenn Holstein Kiel und der SV Meppen in derselben Liga spielten – zuletzt Mitte der 1980er Jahre – ließ sich meine Mutter nicht nehmen, ihr Team im Holstein-Stadion zu unterstützen; im Gegensatz zu mir fand sie das Spiel nicht sterbenslangweilig. Jetzt steht Meppen in der Relegation, es geht um den Aufstieg in die dritte Liga. Gegner ist Waldhof Mannheim, ich drücke die Daumen, auch wenn es keine direkten Begegnungen gibt.

Auch wenn ich zu diesem Verein keine persönliche Beziehung habe, tut mir der SC Paderborn leid – zum dritten Mal in direkter Folge sind sie abgestiegen, bis 2015 waren sie noch in der ersten Bundesliga, jetzt konnten sie sich nicht einmal in der dritten Liga halten.

Meine herzlichen Glückwünsche gehen nach Hamburg, Meppen und natürlich nach Kiel. Mal sehen wann ich wieder Fußball im Radio höre :-)

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Freitag, 19. Mai 2017
Freunde und Verwandte
„Freundschaft ist wichtiger als Verwandtschaft“, „die Leute, die du dir wählst, bleiben länger als deine Familie“ - ich habe diese Sprüche oft gehört. Nach meinem Unfall vor neun Jahren haben sich viele Menschen, mit denen ich mich bis dahin gut verstanden habe, von mir abgewandt, fast ohne Ausnahme ohne Grund. Ich akzeptiere es, ich bin jetzt ein anderer Mensch, auch wenn ich es nicht wirklich verstehen kann. Zumindest ein abschließendes Wort wäre doch nett, oder? Auch danach habe ich Situationen erlebt, die ich schwer nachvollziehen kann – nicht eingehaltene Verabredungen oder versprochene und nicht erfolgte Telefonate beispielsweise.

Nach dem Tod meiner Eltern vor vielen Jahren bin ich davon ausgegangen, dass ich keine Verwandten habe, zumal meine Mutter zuletzt mit den wenigen Verbleibenden von ihrer Seite gebrochen hatte. Ich habe letztes Jahr versucht, den Kontakt zu den noch Lebenden aufzunehmen, und siehe da, zumindest mit meiner Cousine, die ungefähr so alt ist wie ich, als auch mir meiner Tante, die bald 90 wird, telefoniere ich gelegentlich – nicht oft, aber wir bleiben in Kontakt.

Ich muss persönliche Schlüsse daraus ziehen. Ich sehe, dass ich in näherer Umgebung keine Bezugspersonen mehr habe. Diejenigen, mit denen ich mich gelegentlich austausche, auf welchem Weg auch immer, wohnen mehrere hundert Kilometer entfernt.

Ich bin allein, aber fühle mich nicht einsam, vielleicht sogar etwas erleichtert, denn ich weiß, dass ich gelegentlich Auffassungen vertrete, die konträr der allgemeinen Meinung sind. Ja, ich streite und argumentiere gern, aber mir fehlen die Menschen, die auf meine Aussagen ernsthaft eingehen. So wie vor 30 Jahren in Kiel oder vor 10 Jahren in Istanbul.

Egal, ich lebe mein Leben, meist ohne Gesellschaft, und dabei fühle ich mich mittlerweile auch wohl. Ich erwarte von niemandem irgendetwas, wenn ich irgendeine Zuneigung erfahre – und sei es nur ein Becher Kaffee aus dem Automaten – freue ich mich.

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Mittwoch, 17. Mai 2017
Spaßfreies Essen
Ich musste lachen, als ich vor einer Kneipe ein Schild entdeckte, auf dem stand, dass dort fettfreies Bier und laktosefreier Wein angeboten werden. Gleichzeitig musste ich aber auch an meine eigenen Einkaufs- und Essgewohnheiten denken.

Bei dem besagten Hinweis war die Absicht natürlich offensichtlich, aber ich ertappe mich dabei, dass ich, wenn ein Lebensmittel beispielsweise als glutenfrei angeboten wird, sofort reflexartig denke, dass da etwas fehlt. Ich meide solche Speisen daher in der Regel.

Im Supermarkt habe ich schon mehrfach erlebt, dass bestimmte „Veggie“-Produkte angeboten wurden, die den normalen fleischhaltigen Vorbildern sehr ähnlich sahen. Mich schaudert, wenn ich daran denke, dass ich so etwas aus Versehen mitnehme und dann zuhause statt in ein herzhaftes Schweineschnitzel in eine Kartoffelleiche beiße.

Es muss etwa 20 Jahre her sein, dass ich Besuch hatte und für diesen gefüllte Weinblätter selbst herstellte. Ich wusste, dass ein Gast Vegetarier war und habe daher einige Exemplare mit Reis statt mit Hack gefüllt. Heute koche ich nur für mich selbst, ich habe keine Lust auf die Diskussionen, ob bestimmte Speisen Laktose oder Gluten enthalten (das ist mir nämlich völlig egal), oder auf Leute, die immer wieder ungefragt und laut darauf hinweisen, dass sie vegan leben, und gar nicht wissen, was sie verpassen. Dazu kommen noch die Muslime oder Juden, die auf Schwein verzichten – ohne Allah kann ich gut leben, ohne Mettbrötchen, Rührei mit Speck oder Kasslerkarbonade niemals.

Wieder kommt in mir der Gedanke „früher war alles anders“ - also besser - auf. Wenn ich an meine Kindheit und Jugend denke, hatte ich einige wenige Freunde, die wegen ihrer Diabetes oder aufgrund von Allergien (die heute auch viel öfter vorkommen als damals) auf bestimmte Dinge verzichten mussten – und zwar leise und diskret, um den anderen Anwesenden den Spaß nicht zu verderben.

Ich habe den Eindruck, meine Umwelt wird immer mehr sauertöpfisch, sie verzichtet freiwillig auf viele Dinge und vermiest es denjenigen, die nicht so handeln. Ich lasse mich davon nicht beeindrucken und freue mich, dass ich bei der Kieler Woche, die in vier Wochen beginnt, ohne jeden Hintergedanken alle kulinarischen Köstlichkeiten probieren kann. Ich esse alles – und dabei bleibt es.

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Dienstag, 16. Mai 2017
Obrigado, Salvador
Es gibt immer wieder Menschen, die beklagen, dass die Lieder beim Eurovision Song Contest nicht kommerziell genug seien. Seit einigen Jahren steuern insbesondere schwedische Komponisten und Produzenten dagegen, indem sie zahlreiche Länder mit ihren Werken versorgen. Das Resultat ist, dass viele Beiträge austauschbar klingen und keinem bestimmten Land zugeordnet können. Der ESC und die Charts sind grundverschiedene Dinge, es stört mich, dass beide immer mehr vermischt werden.

In diesem Jahr haben mehrere Länder das Gegenteil praktiziert und damit ihre landeseigene Kultur präsentiert, und einige von ihnen waren damit sehr erfolgreich, allen voran natürlich der portugiesische Sieger.

Nein, der ESC ist keine kommerzielle Veranstaltung und hatte diesen Anspruch auch nie. Ich erinnere an die Situation im Jahr 1977: Zahlreiche der Wettbewerbslieder wurden internationale Hits, die Verantwortlichen steuerten gegen, indem sie die 1973 gelockerte Regel wieder einführten, dass die Teilnehmer eine Landessprache benutzen mussten.

Ich liebe Lieder, wie wir sie in diesem Jahr aus Portugal, Italien, Ungarn, Frankreich oder Weißrussland hörten, und es stört mich nicht im geringsten, wenn sie nicht oft im Radio gespielt werden. Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Künstler, deren Beiträge ich so interessant fand, dass ich mich mit ihrem Gesamtschaffen beschäftigt habe, und ich habe auf diese Weise wunderbare Musik beispielsweise von Amina, Azucár Moreno, Dulce Pontes oder Sergio Dalma gehört – Namen, die international keine große Rolle spielten, die ich aber ohne den Wettbewerb nie kennengelernt hätte.

Ende der 1990er Jahre wurden die Spielregeln des ESC geändert, das Orchester wurde abgeschafft, die Sprachauswahl wieder freigegeben, das Publikum in die Abstimmung mit eingebunden. Nach wie vor gibt es Künstler, deren Musik mich auch nach dem ESC interessiert, wie Sertab Erener oder Željko Joksimović, aber prozentual sind es insbesondere an der gestiegenen Teilnehmerzahl viel weniger als vor 20 oder 25 Jahren.

Ich weiß, dass viele Menschen anderer Ansicht sind, aber ich wünsche mir die alten Zeiten zurück. Die Einbindung des Publikums durch das sogenannte Televoting hat meiner Meinung nach dazu geführt, dass optische Eindrücke oft mehr bewertet werden als die Lieder, um die es beim Wettbewerb ja auch dem Namen nach geht. Wenn ich zu entscheiden hätte, kämen die Landessprachenregelung und das Orchester zurück, und die Wertung durch das Publikum würde abgeschafft – aber mich fragt ja wieder keiner. Mir ist klar, dass dadurch auch die Zuschauerzahlen drastisch zurückgehen, aber wäre das so schlimm? Kann der Wettbewerb nicht auch wieder in kleineren Hallen stattfinden?

Soviel zu meiner Ansicht, die sicher nicht der der Mehrheit entspricht. Dieses Jahr habe ich meine Erkundungen begonnen, indem ich mir die Veröffentlichungen des Sieges Salvador Sobral angesehen habe. Im letzten Jahr, 2016, veröffentlichte er ein Album namens „Excuse me“, auf dem 12 Lieder enthalten sind; sein Gewinnerlied „Amar pelos dois“ ist nicht dabei. Sobral singt Englisch und Portugiesisch, ein spanischsprachiges Lied ist ebenfalls enthalten. Es handelt sich um eher ruhige Musik, Einflüsse von Fado und Jazz sind deutlich hörbar. Mir gefällt dieses Album, ich werde es sicher oft hören, auch wenn es sich nicht hundertprozentig mit meinem Musikgeschmack deckt. Hier sind zwei Beispiele:





Ich hoffe, dass Salvador Sobral zumindest in seiner Heimat eine lange Karriere haben wird, und ich hoffe ebenfalls, dass das diesjährige Ergebnis des ESC, bei dem viele durchschnittliche Lieder, darunter das aus Deutschland, abgestraft wurden, und bei dem Individualität belohnt wurde, ein Zeichen für die nächsten Jahre ist. Wenn dann noch das unsägliche Televoting abgeschafft wird… aber ich möchte nicht zu viel verlangen.

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Montag, 15. Mai 2017
Rückblick aufs Wochenende
Natürlich gab es am Wochenende nicht nur den Eurovision Song Contest, auch wenn ich mich in den letzten Tagen stark darauf konzentriert habe.

Eine sehr erfreuliche Meldung kam vom Sport: Holstein Kiel hat vorzeitig den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga geschafft, erstmals seit 36 Jahren werden sie in der nächsten Saison dort spielen. Der THW Kiel ist deutscher Handball-Rekordmeister (auch wenn es diesmal nicht ganz reicht), die Kielerin Angelique Kerber ist Weltklasse im Tennis, die Kieler Woche hat im Segeln den Stellenwert wie Wimbledon, die sportlichen Aktivitäten in Kiel sind vielfältig und, wie man sieht, sehr erfolgreich.

Eine Woche nach Schleswig-Holstein hat auch Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag gewählt; fünf Parteien sind im Parlament vertreten, momentan erscheint ein Regierungsbündnis aus CDU und FDP am wahrscheinlichsten. Ich hoffe, es kommt nicht zu einer großen Koalition, die ich überall für sie schlechteste Lösung halte. Eine Demokratie lebt von einer starken Opposition, die derzeitige Situation im Bundestag halte ich für unerträglich. Gespannt bin ich auf die verbleibende Zeit vor der Bundestagswahl im September; die SPD muss nach der verheerenden Niederlagen innerhalb weniger Wochen ihr Konzept radikal ändern, mal sehen, in welche Richtung sie geht. In jedem Fall ist eine stärkere Abgrenzung zur SPD nötig, da viele Menschen, die zu dumm sind, die Unterschiede zu begreifen, Populisten wie die NSDAP, Entschuldigung, AfD, wählen, die mit ihren einfachen Parolen auch intellektuell Benachteiligte ansprechen, auch wenn diese Parolen völlig haltlos sind.

Doch noch ein Nachtrag zum ESC: Gestern, am Sonntag, wurden die einzelnen Wertungen aufgesplittet veröffentlicht, man kann also sehen, welche Jurys und welche Fernsehzuschauer welchem Beitrag Punkte gaben. Dies gilt vor allem der Transparenz, in der Vergangenheit hat es mehrfach Unregelmäßigkeiten gegeben. In diesem Jahr sind die Stimmen, die auf eine der beiden Bewertergruppen schimpfen, recht leise, was auch daran liegt, dass der Siegertitel bei beiden der Favorit war. Insgesamt mag ich Aussagen wie „Bei reinem Televoting hätte XYZ viel besser abgeschnitten“ oder „Die Jurys haben die Qualifikation von ZYX für das Finale verhindert“ nicht. Die Spielregeln stehen vorher fest, man muss sie akzeptieren oder dies lassen und damit den gesamten Wettbewerb in Fragestellen. Und wer hätte eigentlich gewonnen, wenn nur die vegan lebenden Katholiken in Aserbaidschan, die eine ungerade Hausnummer haben und im zweiten Stock leben, abgestimmt hätten? Ich kann übrigens die Jurybewertungen wesentlich besser nachvollziehen als die des Publikums, aber ich stelle das Ergebnis natürlich an keiner Stelle in Frage.

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Sonntag, 14. Mai 2017
ESC 2017 - Fazit Finale
Ein sehr spezieller Eurovision Song Contest liegt hinter uns, und damit meine ich insbesondere das Siegerlied. Portugal nahm 1964 erstmals am Wettbewerb teil, nie zuvor gelang es dem Land, einen der ersten fünf Plätze zu erlangen, diesmal wurde es ein erdrutschartiger Sieg. Der Grund dafür ist ein Zusammenkommen von einem sanften, überhaupt nicht zeitgemäßen, aber trotzdem berührenden Lied, einer sehr talentierten Autorin und einem auf der Bühne introvertierten, sehr gefühlsbetonten Sänger. Dazu kommt die sehr melodische portugiesische Sprache. Wir haben bei jedem Auftritt eine etwas andere Darbietung des Liedes gesehen, der Sänger hielt sich nicht an Einstudiertes, sondern drückte aus, was er fühlte. Dafür meinen allerherzlichsten Dank. Vielleicht war dies der beeindruckendste Auftritt der bisherigen Eurovisionsgeschichte. Hier die Wiederholung am Schluss der Sendung, bei der Salvador zusammen mit seiner Schwester Luísa, die auch Autorin des Liedes ist, sang:



In der Spitzengruppe gab es zwei große Überraschungen, eine positive und eine negative. Moldau erreichte einen dritten Platz, mit dem im Vorfeld kaum jemand gerechnet hat. Spaßbeiträge schneiden oft, wenn sie gut gemacht sind, gut ab, aber eine so hohe Punktzahl haben wohl die wenigsten erwartet. Einen Absturz gab es für den haushohen Favoriten aus Italien, der nur Platz sechs belegte. Hier zeigte sich, dass der Sänger dem Erwartungsdruck offenbar nicht gewachsen war, er agierte übermotiviert auf der Bühne, was von Juroren und dem Publikum gleichermaßen abgestraft wurde.

Eine große Steigerung sahen wir beim belgischen Beitrag: Blanche wirkte bei den Proben verschüchtert und überhaupt nicht selbstsicher, so sehr, dass ich an ihrem Einzug ins Finale zweifelte, sie konnte sich aber steigern und wirkte bei ihrem großen Auftritt, also als es darauf ankam, souverän. Ich hoffe, die Konsumenten danken es ihr – dazu aber später.

Die akustischen Probleme, die ich noch beim ersten Semifinale bemängelt habe, waren behoben, beim Finale gehe ich davon aus, dass die Sänger, die die Töne nicht trafen, selbst Schuld waren. Negativ bemerkenswert ist hierbei vor allem der Spanier; in Verbindung mit einem erschreckend belanglosen Lied ergab dies den verdienten letzten Platz, ein Punkt schlechter als Deutschland, das damit Platz 25 belegte, das beste Ergebnis der letzten drei Wettbewerbe. Nein, kein Grund, sarkastisch zu werden, Levina hatte eine wesentlich bessere Ausstrahlung als ihre beiden Vorgängerinnen, die drei vereint das jeweils falsche Lied, bei Levina kam eine schlechte Tagesform dazu, sie führte ihren Beitrag zuvor wesentlich besser auf.

Ich habe schon in einem früheren Eintrag bemängelt, dass viele Chorsänger unsichtbar blieben. Was soll das? Die Regeln des ESC besagen, dass alle Vokale live dargebracht werden müssen; wenn ich deren Ursprung nicht sehen kann, werde ich misstrauisch. Gönnt doch auch den Hintergrundstimmen ihren kurzen Auftritt vor der Weltöffentlichkeit, auch sie arbeiten hart, und nicht selten übernehmen sie sogar einen wesentlichen Teil der Darbietung – Demy aus Griechenland weiß, was ich meine.

Durchweg nervig fand ich alle ukrainischen Protagonisten. Die Moderatoren wirkten wieder aalglatt und überhaupt nicht spontan,ihren Versuch, identische Garderobe in schwarz und weiß zutragen, sahen wir schon 1978 bei Baccara, Ruslana versucht seit Jahren, der Welt ihre politischen Botschaften zu vermitteln, die leider wirklich niemanden interessieren (beim ESC hatte sie glücklicherweise keine Gelegenheit dazu), und der australische Fan, der während Jamalas Auftritt die Bühne stürmte und kurz sein entblößtes Hinterteil zeigte, war eine willkommene Abwechslung während eines völlig überflüssigen Vortrags.

Sind die Landessprachen zurück? Ich hoffe es. Wir haben nicht nur einen portugiesisch gesungenen Sieger, auch Italien und Ungarn erreichten die ersten 10, und die in den Halbfinalrunden ausgeschiedenen Lieder waren durchweg englischsprachig.

Auf mich wirkt der bulgarische Sänger sehr unsympathisch, er macht einen altklugen und arroganten Eindruck; gleichwohl möchte ich ihm seine musikalischen Qualitäten nicht absprechen, ich hatte ihn ja im Vorfeld zurecht in die Spitzengruppe eingestuft. Bulgarien ist beim ESC übrigens ein Phänomen: Nur selten erreicht das Land das Finale, seit der ersten Teilnahme 2005 war das erst dreimal der Fall, aber wenn dies gelingt, belegen die Beiträge einen der ersten fünf Plätze.

Noch ein Wort zum portugiesischen Sieger: Auf der Bühne wirkt er linkisch und introvertiert, außerhalb davon sehen wir aber einen selbstbewussten jungen Mann, der klare Meinungen hat und diese auch äußert; hiervon konnten wir und auf der Pressekonferenz überzeugen.

Ich freue mich sehr, dass uns im nächsten Jahr ein ESC erwartet, der weder im perfektionistischen Skandinavien noch in der Ex-Sowjetunion stattfindet, wo man immer auf politische Provokationen gefasst sein muss. Ich möchte die Verantwortlichen in Lissabon oder wo auch immer herzlich bitten, eigene Ideen auszuarbeiten und sich nicht auf die jahrelangen Erfahrungen der Schweden zu verlassen.

Befremdlich fand ich übrigens, dass dem späteren Sieger untersagt wurde, bei den Pressekonferenzen anhand eines Sweatshirts seine Solidarität mit den Flüchtlingen zu zeigen, und zwar unter Hinweis auf die gebotene politische Neutralität. Zur gleichen Zeit provozieren sich Russland und die Ukraine, Aserbaidschan und Armenien und einige andere, und das sanktionslos.

Aus San Marino und auch aus der Schweiz hört man Stimmen, dass man wegen permanenter Erfolglosigkeit in Erwägung zieht, den Wettbewerb zu verlassen. Ich würde dies sehr schade finden; für angebrachter hielte ich es, wenn sich der Oberschiedsrichter Jon Ola Sand, der NDR als federführende Institution in der ARD und das schwedische Fernsehen zurückzögen. Aber mich fragt ja wieder niemand.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Ich glaube nicht, dass wir den Siegertitel „Amar pelos dois“ oft im Radio hören werden, dafür ist er zu speziell und wirkt zudem erst durch den individuellen Auftritt. Ich denke, beste Chancen, auch kommerziell erfolgreich zu werden wie im letzten Jahr das Lied aus Schweden oder vor drei Jahren das aus den Niederlanden, haben diesmal die Beiträgeaus Belgien und eventuell aus Norwegen. Wir werden sehen.

Mein Fazit aus meinen Prognosen: An allen drei Abenden habe ich jeweils ein Lied weniger korrekt getippt als im Vorjahr. Viel Luft nach oben!

Noch ein Blick auf den Marcel-Besançon-Preis, der in jedem Jahr von den Journalisten, den Künstlern und den Autoren vergeben wird; auch hier war Portugal zweimal siegreich.

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Samstag, 13. Mai 2017
ESC 2017 - Finale
Mein Tipp für die ersten fünf Plätze:

1. Italien
2. Portugal
3. Bulgarien
4. Norwegen
5. Schweden

Deutschland tippe ich auf Platz 16.

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Freitag, 12. Mai 2017
ESC 2017 - Fazit 2. Semifinale
Wieder 8/10 – da die Voraussage für das zweite Halbfinale von den meisten Beobachtern als schwieriger angesehen wurde, bin ich mir selbst gegenüber etwas milder gestimmt als am Dienstag.

Mit dem Ausscheiden Estlands war leider zu rechnen; Koit und Laura wirkten nicht wie ein Paar, sondern nur wie zwei zufällig miteinander singende Interpreten. Unerfreuliche Parallele: Laura trat wie ihr slowenischer Kollege Omar Naber bereits beim ESC 2005 in Kiew an, und auch damals schieden beide im Halbfinale aus.

Ein wenig überrascht hat mich die Qualifikation Dänemarks; nach der Polin ist also noch eine weitere Winselstute im Finale.

Die Moderatoren waren wieder schlecht, die Tontechniker arbeiteten diesmal etwas besser, lediglich beim Beitrag San Marinos habe ich ein paar Unstimmigkeiten vernommen, sie klang zu laut, er zu leise, da das Lied meiner Meinung nach sowieso ausgeschieden wäre, ist das zu verschmerzen.

Die Pressekonferenz gab wieder wenige Neuigkeiten; ich möchte aber dem Ungarn widersprechen, der sagte, dass er der erste Gypsy (Zigeuner soll man ja hierzulande nicht mehr sagen) beim ESC sei; ich möchte an das spanische Duo Azucár Moreno erinnern, das 1990 Platz 5 erreichte.

Ein dickes Lob an Imri aus Israel; er wurde gefragt, ob sein dritter Auftritt in Folge (zuvor zweimal als Chorsänger) ein Zeichen für alle Schwulen und gegen (religiös) Konservative sei, er antwortete, dass er nur wegen der Musik antrete.

Ich warte die genaue Startreihenfolge für das Finale ab und werde mich dann festlegen, welche Länder die ersten fünf Plätze dort belegen werden. Meinen Tipp werde ich am Samstagvormittag veröffentlichen.

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Donnerstag, 11. Mai 2017
ESC 2017 - 2. Semifinale - Tipp
Ich tippe, dass sich folgende Länder für das Finale qualifizieren (in Startreihenfolge):

Österreich
Mazedonien
Rumänien
Niederlande
Ungarn
Norwegen
Weißrussland
Bulgarien
Estland
Israel

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Mittwoch, 10. Mai 2017
ESC 2017 - Fazit 1. Semifinale
Das erste Halbfinale ist vorüber, und bevor ich zu meinen Tipps und zu meinen Einzeleindrücken komme, möchte ich zuerst einmal meckern.

Zunächst über die Moderatoren. Die Ukraine hat sich für drei von ihnen entschieden, und alle sind fürchterlich. Die Ansagen wirken auswendig gelernt – was sie natürlich auch sind, aber die Kunst sollte darin bestehen, es die Zuschauer nicht merken zu lassen. Bei den französischen Textteilen dachte ich übrigens zuerst, es handle sich um ukrainisch.

Ein dickes Minus gibt es von mir auch für die Tontechniker. Vielleicht haben einige Sänger wirklich die Töne nicht getroffen, aber fast alle Beiträge klangen suboptimal.

Jetzt zu den einzelnen Teilnehmern: Ich habe 8 von10 richtig vorausgesagt, kein gutes Ergebnis, ich muss mich noch steigern.

Ich freue mich, dass ich mich beim belgischen Beitrag geirrt habe. Das Lied zählte zu meinen heißen Favoriten in diesem Jahr, bis ich Blanches Probenausschnitte sah – ich war entsetzt. Auch heute wirkte sie auf mich wie ein Mädchen, das gerade Kartoffeln geerntet hat und auf der Straße überredet wurde, beim ESC anzutreten. Dort angekommen war sie verängstigt ob der großen Zuschauerzahl. Bitte bitte bitte liebe Belgier, arbeitet an der Bühnenshow und vor allem an Blanches Ausstrahlung, sonst könnt ihr die großen Erfolge der letzten zwei Jahre nicht wiederholen.

Viele insbesondere weibliche Interpreten klangen schlecht, eine Ausnahme war die Sängerin des finnischen Duos Norma John. Umso überraschter bin ich, dass sie es nicht ins Finale geschafft haben. Ihr „Blackbird“ gehörte zu den stimmigsten Auftritten den Abends.

Bezüglich der Nichtqualifikation Lettlands gebe ich den Tontechnikern eine Mitschuld. Die Studioversion klingt gut und zeitgemäß, die Gruppe Triana Park gab ihr Bestes, aber es reichte nicht, auf dem Bildschirm wirkte das Lied fade.

Ich habe vor ein paar Tagen die Balladen-Sängerinnen „Winselstuten“ genannt – gestern hörten wir solche Exemplare aus Georgien, Albanien, Island und Tschechien, und sie alle scheiterten – meiner Meinung nach berechtigterweise. Lediglich die Polin schaffte den Sprung – mal sehen, was sie am Samstag daraus macht.

Von den Finalisten möchte ich den Portugiesen hervorheben – Obrigado, Salvador, dein Auftritt gehört schon jetzt zu den ewigen Glanzlichtern und Höhepunkten der Eurovisionsgeschichte.



Eine Erwähnung verdient auch Isaiah aus Australien, ich denke, er hat das breiteste Grinsen.

Enttäuschend war übrigens auch die Pressekonferenz. Zuerst stellten zwei Moderatoren Fragen, und diese waren vollkommen nichtssagend, dementsprechend brachten die Antworten auch keinerlei Erkenntnisse. Ein dickes Lob hier für die Belgierin, sie sagte, dass sie die Frage nicht verstanden habe. Ich auch nicht! Viele der folgenden Fragen hatten wieder keinen Inhalt; die Pressekonferenz brachte keinerlei neue Informationen. Eine Ausnahme war auch hier Salvador aus Portugal, der sich eindringlich für Flüchtlinge einsetzte und mir immer sympathischer wird.

So, jetzt werde ich mich mental auf das zweite Halbfinale vorbereiten, mal sehen, ob ich dann besser tippe.

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