Donnerstag, 21. September 2017
Sprachdiplome
Lange hat es gedauert – heute kam endlich eine Nachricht. 14 Sprachschüler, 7 davon aus einem Kurs, in dem ich unterrichtet habe, haben kurz vor den Sommerferien eine Prüfung abgelegt, aufgrund derer sie ein Zertifikat über ihre Deutschkenntnisse bekommen. Wer viele Punkte erzielt, bekommt ein B1-Diplom, wer etwas schlechter anschneidet, dem wird ein A2-Niveau bescheinigt. Normalerweise dauert es vier Wochen, bis die Resultate kommen, diesmal brauchten die Verantwortlichen etwas mehr Zeit. Heute bekam ich die Nachricht, dass alle 14 Prüflinge den Test bestanden haben, davon 11 mit einem B1-Resultat – ein tolles Ergebnis. Die Namen der entsprechenden Teilnehmer sind mir (noch) nicht bekannt, ich weiß also nicht, ob die drei A2-Kandidaten aus unserem oder dem anderen Lehrgang kommen – das erfahre ich erst demnächst.

Ich freue mich sehr, ich sehe es auch ein wenig als Bestätigung unseres Unterrichts. Wir Ehrenamtlichen dürfen die offiziellen Prüfungen nicht abnehmen, dazu haben wir keine Berechtigung, aber wir dürfen bei den Vorbereitungen helfen, und das haben wir offenbar recht gut gemacht.

Ich habe jetzt noch mehr Energie als vorher – die nächste Prüfung findet im Dezember statt, hoffentlich sind die Ergebnisse dann wieder so gut.

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Freitag, 15. September 2017
Bootshafen
Die Gastronomie-Zeile am Kieler Bootshafen ist um einen Anbieter reicher geworden: Gestern eröffnete dort die Salatbar Dean & David. Damit bieten dort mittlerweile fünf Betriebe unterschiedliche lukullische Spezialitäten – schon länger gibt es dort ein Studentenrestaurant mit Selbstbedienung, ein Café, eine Kneipe und ein Burger-Lokal.

Seit einigen Tagen wird die Bushaltestelle Bootshafen direkt vor der Tür nicht mehr angefahren, auch die Straße ist für den allgemeinen Verkehr wegen der umfangreichen Umbauarbeiten gesperrt. Wenn man also bei schönem Wetter die Außenplätze besucht, ist es jetzt merklich ruhiger als vorher.

Ich werde das Restaurant in den nächsten Tagen einmal inspizieren, ich bin gern in dieser Gegend. Und es ist ein Vorbote dessen, was uns in ein paar Jahren erwartet, wenn alle Neubauten stehen und der „Holstenfleet“ an die Stelle eines Teiles der Straße Holstenbrücke getreten ist. Ich freu mich drauf.

https://deananddavid.de/standorte/kiel-wall/

http://www.stadtmagazin.com/kiel/bierparadies_bootshafen

http://www.campussuite.de/campus-suite/stores/store-details.html?user_stores_pi1%5BshowUid%5D=115&cHash=78ec6c82d7e2caa015fb2462ca4ad7e1

http://www.peterpane.de/restaurants/kiel-bootshafen/

http://coffee-house.cupcino.com/coffee-house-kiel-nordlicht/

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Donnerstag, 14. September 2017
Melancholie
Die ersten schweren Stürme sind übers Land gezogen, teilweise sind sie noch immer spürbar. Es gibt Beeinträchtigungen im Bahn- und Schiffsverkehr, einige Gebäude wurden beschädigt, einige Menschen kamen zu Schaden, aber die Auswirkungen sind längst nicht so stark wie in der Karibik und in Nordamerika. Mich verwundert allerdings der Termin, mit einer solchen Wetterlage hätte ich eher in ein paar Wochen gerechnet.

Damit verabschiede ich mich innerlich vom Sommer und von der hellen Jahreszeit, mein Blick geht nach vorn, und mir graut beim Gedanken an Glätte und Schnee. Vielleicht bin ich deshalb ein wenig melancholischer als sonst, und vielleicht nehme ich einige Dinge auch ernster als sonst. Mir fallen immer wieder Namen nicht ein, dieses Phänomen beobachte ich seit Jahren, aber kann es sein, dass es jetzt häufiger auftritt? Hatte ich gestern beim Verlassen der Badewanne größere Schwierigkeiten als sonst, oder habe ich mir das nur eingebildet?

Früher habe ich jedes Wetter so genommen, wie es kam, ich habe auch den dunklen grauen Tagen ihre positiven Seiten abgewonnen. Das gilt prinzipiell noch heute, aber meine gesundheitlichen Probleme zwingen mich, Dinge zu bedenken, die mir früher egal waren.

Klar kann es noch schöne Tage geben, und vielleicht genieße ich noch mehrmals den Sonnenschein am Meer, höre die Möwen schreien und beobachte die Schiffe – so wie ich es im Sommer liebe. Aber ich freue mich schon jetzt aufs Frühjahr, wenn ich mir wesentlich weniger Gedanken machen muss.

Es fällt mir schwer, mich selbst zu motivieren, ab und zu habe ich Lust, alles hinter mir zu lassen, einen Flug irgendwo in die Wärme zu buchen und mich überraschen zu lassen, was dort auf mich zukommt. Ich weiß, dass das unrealistisch ist, und ich werde es wohl auch nie umsetzen, aber mich stören die vielen bangen Gedanken der kommenden Wochen und Monate. In seltenen Momenten, wenn mir die vom Laub glatten Gehwege oder zu viele Stufen zusetzen, denke ich sogar an ein Pflegeheim – aber meine Freiheit ist mir wichtiger und mehr wert als eventuelle Annehmlichkeiten dort, ich glaube, das wäre mein Untergang.

Ich versuche, mich zu Disziplin zu zwingen und mich nicht hängen zu lassen. Aber das fällt mir manchmal sehr schwer.

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Sonntag, 10. September 2017
Weiterentwicklung und ich
Es gibt verschiedene Entwicklungen, die ich nicht mitmache; meist nicht, weil ich in irgendeiner Weise abgehängt werde oder wurde, sondern weil ich mich persönlich so entschieden habe. In einigen Fällen bin ich sogar einen Schritt rückwärts gegangen. Mir ist klar, dass ich mich so immer weiter vom Verhalten des Großteils der Bevölkerung fort bewege, aber ich wüsste nicht, was daran negativ sein sollte.

Ich zahle grundsätzlich nie per Karte, Kreditkarten besitze ich seit 20 Jahren nicht mehr, und die Bankkarte verwende ich nur, um damit am Automaten Geld abzuheben. Irgendwo in einer Schublade habe ich noch ein Mobiltelefon, ich suche es, wenn ich einen Wecker brauche – zum Telefonieren habe ich es seit mehreren Jahren nicht verwendet, und es hat auch keinen Internetzugang. Wenn ich nicht zuhause bin, bin ich nicht erreichbar, und ich genieße es.

Als in den 1980ern die Vinylschallplatte langsam den CDs Platz machte, bin ich dieser Entwicklung gefolgt, damals bedauerte ich bereits, dass die viel kleineren Verpackungshüllen weniger Platz für Bilder, manchmal richtige Kunstwerke, und Informationen ließen. Heute findet man auch CDs immer seltener und in eher begrenzter Zahl in den Läden, das Stöbern, mit dem ich früher viel Zeit verbracht habe, entfällt mehr und mehr. Online-Käufe, gleich welcher Art, kommen für mich nicht in Frage, ich möchte die Ware, gleich welcher Art, sehen, fühlen und riechen, bevor ich sie erwerbe. Wenn mir Musik nur als Datei zur Verfügung steht, kann ich sie nicht anfassen – sie hat für mich den gleichen Wert wie ein Lied, das ich im Radio höre. Ein weiteres Beispiel: Ich habe seit einigen Jahren keinen Fernseher mehr, weil mir das Programm einfach nicht gefällt, und bin wieder immer mehr zum Radiohörer geworden – dort konsumiere ich aber ausschließlich öffentlich-rechtliche Sender.

Ich glaube, heute suchen immer mehr Menschen nach Perfektionismus. Ich mag hingegen gerade die Unzulänglichkeiten. Bei den alten Vinylschallplatten konnte es passieren, dass sie bei häufigem Gebrauch einer Kratzer bekamen – ich erinnere mich an diese „Knackser“ manchmal bis heute, wenn ich alte Lieder höre. Und das Rauschen und Knistern beim Abspielen einer alten Schellack-Platte ist für mich Nostalgie. Es gibt Bemühungen, diese „Störgeräusche“ aus alten Aufnahmen herauszufiltern – diese wirken auf mich danach oft steril.

Als das Farbfernsehen aufkam, wirkten die Kontraste oft grell und unnatürlich. Wenn ich heute alte Aufnahmen aus den 1970en sehe, tragen die Protagonisten oft Hemden und Kleider in einem schreienden Pink oder einem grellen Gelb, und ich frage mich, wie viel davon der damaligen Mode und wie viel den damaligen Aufnahmemöglichkeiten geschuldet ist.

Ich habe nie sonderlich viele Fotos gemacht, und ich habe aufgehört, als die Digitalisierung immer mehr um sich griff. Zum Fotografieren gehört für mich, den Film in einer Drogerie abzugeben und ein paar Tage zu warten, ob das Ergebnis gelungen ist. Ich werde nie verstehen, warum einige Menschen der gesamten Menschheit mitteilen möchten, dass sie Erbsensuppe essen, oder dass sie ein rotes T-Shirt tragen. Warum soll mich das interessieren? Was die „Selfies“ angeht: Ich war schon damals kein Freund von Fotos, die zeigten, wo ich mich befand. Ich habe eine recht lebhafte Erinnerung, und wenn ich an bestimmte Momente zurückdenke, beinhaltet das nicht nur Bilder, die vor meinem inneren Auge erscheinen, sondern auch um die gesamte andere Atmosphäre, wie Klänge oder Gerüche – oder auch, ob es an jenem Tag besonders heiß war. Diese Eindrücke kann kein Foto vermitteln.

Viele Menschen reagieren verwundert, manche sogar aggressiv, wenn ich auf ihre Frage, wie sie mich per Whatsapp erreichen, antworte, dass das gar nicht möglich sei, und sie sind erstaunt, wenn ich sage, dass das aktuellste Foto, auf dem nur ich zu sehen bin, über zehn Jahre alt ist – danach gab es noch ein paar Gruppenbilder, die für mich allerdings keine sonderliche Bedeutung haben.

Ich weiß, ich bin ein Exot, wenn ich lieber ein paar Stunden bei einem Amt warte, als mein Anliegen digital und damit unpersönlich vorzubringen. Ein weiteres Beispiel sind die anstehenden Wahlen: Ich bin seit mehr als 30 Jahren Wahlhelfer und zähle daher immer wieder die Wahlzettel per Hand aus, wenn es nicht stimmt, muss es eben wiederholt werden. Ich misstraue jeder Art der digitalen Übermittlung, sobald flächendeckend Wahlcomputer eingeführt werden, könnte ich diese Tätigkeit nicht mehr ausüben und nur noch per Brief wählen – ich traue diesen Geräten nicht.

Ja, ich bin ein Fossil, in einigen Punkten sicher überempfindlich und zu vorsichtig, aber bis jetzt ist es noch niemandem gelungen, mich von meiner Einstellung abzubringen. Es gibt immer wieder Bestrebungen, Bargeld ganz abzuschaffen. Ich glaube nicht, dass das wirklich passieren könnte – für mich wäre es schlimm, denn lieber hungere ich, als meine Daten einem Supermarkt preiszugeben.

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Samstag, 9. September 2017
Musik von damals
Manchmal fallen mir Lieder ein, die viele Jahre alt sind, und die ich längst vergessen glaubte. Heute war es wieder einmal soweit. Ich möchte dazu auch etwas Hintergrundinformation bieten.

Anfang der 1980er Jahre war Deutschland beim Eurovision Song Contest sehr erfolgreich, nicht zuletzt durch Kompositionen von Ralph Siegel. Die Musik, die von der ARD zum Wettbewerb geschickt wurde, war der klassische deutsche Schlager; den Juroren gefiel er offenbar.

Die Popularität hierzulande sieht man auch daran, dass es vor der offiziellen Vorentscheidungsshow im Fernsehen eine zweiteilige Vorauswahl mit je 12 Lieder im Radio gab, aus der die Hörer dann 12 für die große Sendung auswerten konnten.

Anders als beim ESC war der Schlager beim allgemeinen Musikgeschmack nicht gefragt, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Neue Deutsche Welle hatte ihren Höhepunkt, selbst bei der traditionellen und grundsoliden ZDF-Hitparade sah man Trio, Hubert Kah oder UKW. Auch bei der Radiosendung versuchten es einige Plattenfirmen und Komponisten mit diesem Genre, allerdings wurden die Lieder nicht von den damals großen Stars gesungen, sondern von unbekannten Nachwuchstalenten.

1983 fand der Wettbewerb im Folgejahr von Nicoles Sieg in Deutschland statt; ich fand, dass das eine willkommene Gelegenheit wäre, Experimente zu wagen und Klänge ab von den üblichen Produktionen zu präsentieren, zumal man einen erneuten Sieg vermutlich nicht gern gesehen hätte. Im Radio hörte ich einen jungen Sänger, der sich „Der wilde Jürgen“ nannte und „Tanzstunde“ sang. Mir (damals 18 Jahre alt) gefiel dieses Lied sehr gut, ich hätte mir vorstellen können, dass es auch außerhalb des Contests gut angekommen wäre, zudem hätte es die damals wirklich beliebte Musik in Deutschland meiner Meinung nach gut repräsentiert.

Der wilde Jürgen schaffte es nicht in die Fernsehausscheidung, und Deutschland blieb noch viele Jahre dem Schlager treu, teilweise sogar sehr erfolgreich – die ESC-Musik entfernte sich aber immer mehr von den allgemeinen Hörgewohnheiten und verlor auch immer mehr Fernsehzuschauer – bis 1998 Guildo Horn antrat, aber das ist ein anderes Thema.

„Tanzstunde“ wurde nicht weiter vermarktet, vermutlich, weil ohne die Fernsehsendung die große Bühne fehlte, und der wilde Jürgen machte keine nennenswerte Karriere. Ich habe, vermutlich auch aus diesem Grund, kein Video zu diesem Lied gefunden, weder bei Youtube noch bei dessen Konkurrenten, aber immerhin bei Spotify eine Audioaufnahme.



Wenn ich mir das Lied heute anhöre, bin ich nicht mehr so enthusiastisch wie damals. Trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn das deutsche Fernsehen seinerzeit einmal einen anderen Weg gegangen wäre.

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Freitag, 8. September 2017
Mentalitäten
Ich bin recht froh, dass ich derzeit in Kiel lebe, es ist in der momentanen Situation – sowohl was meine Gesundheit als auch die politische Lage angeht – wohl die beste Wahl. Zudem liegt die Stadt am Meer, für mich eine wesentliche Voraussetzung für einen Wohnort.

Kiel ist meine Heimatstadt, ich habe dort mehr als 80% meines Lebens verbracht, und dennoch fühle ich mich etwas isoliert oder distanziert, weniger zu den Bewohnern meiner Stadt als zu denen im gesamten Land. Ich glaube, dass das mit der Zeit zusammenhängt, in der ich woanders gelebt habe.

Ich möchte dies gern anhand von zwei Beispielen erklären. Deutsche sind Nörgler – zumindest empfinde ich es so. Sobald irgendwo irgendetwas gebaut wird, gibt es sofort Leute, die reflexartig über die hohen Kosten meckern und zudem konstatieren, dass früher alles besser war als heute und heute alles besser ist als in Zukunft. Ich beobachte dies auch in einer Facebook-Gruppe, in der historische Fotos der Stadt zu sehen sind. Kaum taucht dort ein neues Bild auf, beispielsweise von der Altstadt um 1900, gibt es sofort Kommentare, nach denen damals alles schöner war, und die beklagen, wie hässlich die Stadt geworden sei. Das nervt mich derartig, dass ich nur noch die Bilder betrachte, die Anmerkungen aber nicht mehr lese. Die Architektur geht genau wie die Mode und viele andere Dinge mit der Zeit, nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Häuser schnell wiederaufgebaut werden, Zweckmäßigkeit war damals sicher wichtiger als Ästhetik. Diese Bauten verschwinden nach und nach, aber auch damit macht man es vielen Beobachtern offenbar nicht recht. Ein anderer Punkt: Ich erinnere mich, dass meine damals schon betagten Verwandten in den 1970ern in einem Mietshaus wohnten, in dem es nur einen einzigen Wasseranschluss, nämlich in der Küche, gab. Dieser musste auch für die Basis-Körperpflege reichen, ansonsten war ein Besuch in einem öffentlichen Bad angesagt. Es gab nur eine einzige Toilette für das ganze Gebäude, und um zu dieser zu gelangen, musste man den Hof überqueren. Wenn es im Winter schneite oder im Herbst regnete und stürmte, war es kein Vergnügen, dorthin zu gehen, insbesondere, wenn noch andere Leute vor einem in der Schlange standen. Bedenken die Vergangenheits-Glorifizierer auch, dass solche Verhältnisse früher die Regel waren? Die oft geschmähten Neubauten nach dem Krieg waren die ersten, in denen es in jeder Wohnung ein Bad gab.

Beim Wetter ist es ebenso. Egal wie es ist, es ist schlecht. Zu regnerisch, zu trocken, zu heiß, zu kalt – jedes Jahr höre ich in den Nachrichten, dass die Landwirte eine schlechte Ernte befürchten. Bei uns in Holstein sagt man, es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung – es wäre schön, wenn meine Mitbürger dies beherzigen würden. Ich erinnere mich an einem Tag, an dem es in Istanbul regnete – im Hochsommer eher ungewöhnlich. Meine Kollegen freuten sich, dass die Pflanzen Wasser bekamen, und dass es etwas kühler wurde. Ein paar Tage später erreichten wir sehr hohe Temperaturen, meine Freunde nutzen dies für eine Strandparty. Selbst wenn es goss und die Kanalisation dem nicht Herr wurde, oder wenn es bei Schneefall im Winter so glatt war, dass einige abschüssige Straßen nicht passiert werden konnten, habe ich höchstens ein Achselzucken registriert.

Der zweite Punkt ist die mangelnde Hilfsbereitschaft hierzulande. Aufgrund meiner Gleichgewichtsstörungen schwanke ich beim Gehen, auf Außenstehende kann es so wirken, als sei ich betrunken. Das belegen auch Sprüche, die ich mir mehrfach anhören musste: selbst morgens um acht Uhr, als ich zur Bushaltestelle ging, fühlte sich jemand zum Kommentar „Um diese Zeit schon so besoffen?“ gemüßigt. Und als mir direkt vor einem belebten Einkaufszentrum jemand in die Ferse trat – natürlich ohne sich zu entschuldigen, so viel erwarte ich gar nicht – und ich deshalb stürzte, scharten sich sofort etwa zehn Personen jeden Alters um mich, zwei von ihnen machten sogar ein Handyfoto. Ich kann nicht allein aufstehen, ich streckte also die Hand aus und bat die Umstehenden, mir zu helfen – ohne Erfolg. Nachdem diese sensationsgeilen Kreaturen genug gesehen hatten, gingen sie fort. Ich robbte mich etwa zehn Meter zum nächsten Laternenpfahl und konnte so mühsam wieder aufstehen. Auch hier habe ich anderswo andere Erfahrungen gemacht, in Istanbul, wo ich auch nach meinem Unfall einige Wochen lebte, wünschte man mir ein „geçmiş olsun“, „gute Besserung“, beim Treppensteigen nahm man mir meine Tasche ab, einmal wurde ich sogar zum Tee eingeladen – negative Äußerungen habe ich dort nie gehört.

Diese Begebenheiten führen dazu, dass ich mich in meiner Heimatstadt fremd fühle, und sind auch einer der Gründe, warum ich so gern mit meinen Sprachschülern zusammen bin. Sie haben die oben angeführten Eigenarten der deutschen Mentalität nicht angenommen, ich hoffe, sie werden das auch nie tun.

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Mittwoch, 6. September 2017
Respekt, liebe Leute!
Man muss nur wollen…

In einem meiner Deutschkurse erlebe ich gerade ein hervorragendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man sich nicht an bürokratische Hürden klammert, sondern die realen Gegebenheiten akzeptiert.

Einer meiner Schüler, ein Afghane, macht seit letzten Freitag eine Ausbildung, er erlernt den Beruf des Polsterers. Damit er weiter unsere Kurse besuchen kann, gewährt ihm sein Arbeitgeber besondere Arbeitszeiten: Er ist von 7.00 bis 19.00 beschäftigt, allerdings mit einer vierstündigen Pause, damit zum Unterricht kommen kann. Der Asylantrag ist noch nicht abschließend bearbeitet, das Aufenthaltsrecht demnach noch unklar. Die Berufsschule fordert normalerweise ein Zertifikat über die Sprachfertigkeiten; diese legt der Kurs erst im Dezember ab, die Schule erklärte sich bereit, so lange zu warten. Und auch das Jobcenter spielt mit, auch dort wurden einige formelle Hindernisse überwunden.

Ich freue mich sehr und hoffe, dass der Schüler seine Ausbildung beenden kann; daran, dass er sie besteht, habe ich keine Zweifel. Ich habe ihn mehrmals bei privaten Treffen erlebt, er saugt unsere Kultur förmlich auf, man sieht die Erleichterung, dass er die Wirren seines Heimatlandes hinter sich gelassen hat und jetzt einen Neuanfang starten kann.

Ich begrüße die gelungene Kooperation aller Beteiligten, ich freue mich, dass die Regeln so interpretiert wurden, dass dieser Einzelfall hineinpasst.

Viele meiner Sprachschüler suchen so schnell wie möglich eine Arbeit, neben den Deutschkenntnissen, die sie sich sehr eifrig und erstaunlich schnell aneignen, sind es vor allem rechtliche Gründe, die sie hindern – nicht anerkannte Zertifikate und Zeugnisse, unklarer Aufenthaltsstatus und vieles mehr. Sie möchten keine staatlichen Leistungen mehr beziehen, sondern selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Ein anderes Beispiel: Ein IT-Spezialist mit abgeschlossenem Studium hat eine Ausbildung als Bäcker begonnen.

Bitte lasst sie einfach. Uns allen ist damit geholfen. In Berufen mit wenig Kundenkontakt sind Deutschkenntnisse nicht das Wichtigste. Und der Wille zur Arbeit, auch zu körperlicher, ist in Fülle vorhanden.

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Dienstag, 5. September 2017
Das kleine Duell
Ich habe mir gestern das Duell zwischen den Vertretern der kleineren Parteien angesehen, und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Ein dickes Lob an die Moderatoren, sie wirkten auf mich wie ein eingespieltes Team und nicht wie ihre Kollegen vom Sonntagabend wie Menschen, die versuchen, sich zu profilieren und dabei neben statt mit den anderen agieren.

Die fünf Kandidaten waren so, wie ich es erwartet habe: Sahra Wagenknecht und Cem Özdemir agierten angriffslustig, aber überaus kompetent, beide haben bei mir Sympathiepunkte gewonnen, genau wie Christian Lindner, der sehr souverän herüberkam. Ich hatte den Eindruck, dass der CSU-Jodler, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, überrascht war, andere Gesprächspartner als in seinen Bierzelten zu haben, und die Nazi-Else disqualifizierte sich, wie erwartet, mit jedem Wort selbst. Es war offensichtlich,dass sie intellektuell nicht in der Lage war, den Inhalt der Fragen auch nur ansatzweise zu verstehen und antwortete dementsprechend wirre unzusammenhängende Sätze. Klar, dass keiner der anderen Anwesenden darauf einging: Sie haben den Sinn der Aussagen nicht verstanden, es gab ja auch keinen. Nun, wir leben in einer starken Demokratie, wir können auch solche Kreaturen aushalten.

Meine langjährige Überzeugung, dass eine rot-rot-grüne Koalition die mit Abstand beste Lösung für Deutschland wäre, wurde bestärkt. Aber ich habe in früheren Einträgen schon geschrieben, dass ich diesmal weniger nach Inhalten als vielmehr taktisch wähle, daher möchte ich, dass Angela Merkel in einer Welt voller wahnwitziger Spinner als ruhender Pol erhalten bleibt, mein Wunschpartner für ihre Partei ist die FDP.

Liebe Sahra, lieber Cem, ihr seid noch jung, ich bin mir sicher, dass ihr uns noch lange erhalten bleibt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass eine eurer Parteien bei der nächsten Bundestagswahl meine Stimme bekommt.

Noch einmal ein herzliches Dankeschön an das Erste für diese aufschlussreiche und gut produzierte Sendung.

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Montag, 4. September 2017
Das Duell
Es gibt wenige Fernsehsendungen, die ich mir ansehe, aber das TV-Duell zwischen dem jeweiligen Bundeskanzler und seinem Herausforderer gehört dazu. Allerdings betrachte ich es nie als echte Entscheidungshilfe, denn beide können nicht ohne Koalitionspartner regieren, können also ihre Wahlprogramme auch nicht uneingeschränkt durchsetzen.

Martin Schulz war, wie zu erwarten war, angriffslustiger, wirkte auf mich aber trotzdem etwas zu gebremst. Angela Merkel gab sich wie immer: Sie lächelte Kontroversen fort, und nur selten wurde sie wirklich konkret. Dies ist nicht als negative Kritik gemeint, ich mag diese Eigenschaften momentan sogar recht gern an ihr. Insgesamt war es ein Gespräch mit vielen Gemeinsamkeiten, auch das finde ich nicht überraschend, schließlich bilden beide Parteien noch zusammen die Regierung, und mir ist eine gesittete Diskussion lieber als ein haltloses Geschrei.

Ich habe keine direkte Hilfe bei der Entscheidung erwartet, wen ich wähle, weil dafür die anderen, kleineren, Parteien fehlten, die eine echte Konkurrenz gewesen wären, weil sie derzeit die Opposition bilden, teils im Bundestag, teils außerhalb davon. Trotzdem bin ich mir jetzt klarer, wem ich meine Kreuze gebe. Ich werde vermutlich nicht nach Inhalten, sondern taktisch abstimmen. Als Termin für meine Kreuze am Schreibtisch habe ich mir das nächste Wochenende gesetzt, bis dahin warte ich ab, ob schriftliche Anfragen per E-Mail, die ich an einige Parteien gesendet habe, beantwortet werden und meine Entscheidung eventuell noch beeinflussen.

Die Situation bei meinen Überlegungen ist folgende: Alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien und die FDP kommen für mich grundsätzlich in Frage. Eine Koalition mit zwei Partnern halte ich, unabhängig davon, wer beteiligt ist, für stabiler als ein Dreierbündnis. Und auf keinen Fall möchte ich eine Fortsetzung der großen Koalition.

Mit der Erststimme wird ausschließlich der Kandidat gewählt, der in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt, also in den meisten Fällen, so auch in Kiel, der Vertreter der CDU oder der SPD. Mit der Zweitstimme entscheidet sich die prozentuale Zusammensetzung des Parlaments.

Mich hat gestern insbesondere der Teil aufhorchen lassen, als die beiden Kandidaten gefragt wurden, ob sie die große Koalition fortsetzten möchten. Angela Merkel verneinte dies recht deutlich, Martin Schulz schloss es nicht aus. Das gab bei mir eine Art Ausschlag. Die CDU liegt in den momentanen Umfragen sowieso deutlich vor der SPD, ich überlege daher, welcher Koalitionspartner stark genug werden könnte, um eine Fortsetzung des Status Quo zu verhindern, und ich bin zum Schluss gekommen, dass hierfür am ehesten die FDP in Frage kommt. Ein Dreierbündnis mit den Grünen könnte bei entsprechenden Ergebnissen nötig sein, in Schleswig-Holstein regiert es seit etwa einem Vierteljahr, nicht lang genug, um sich ein Urteil zu erlauben. Aufgrund all dieser Gedanken – wie gesagt, eher taktisch als inhaltlich – tendiere ich momentan dazu, die Erststimme der CDU (zum ersten Mal in meinem Leben!) und die Zweitstimme der FDP (ebenfalls zum ersten Mal) zu geben.

Ganz endgültig ist dieser Entschluss noch nicht, aber meine Entscheidung nimmt deutlich Formen an.

Ich werde mir auch heute die Diskussion der vier kleineren Parteien ansehen und erwarte, dass es wesentlich lebhafter wird. Allerdings wird es auf meine Wahl relativ wenig Einfluss haben, weil die Positionen sich einerseits klar von denen der „Großen“ absetzen müssen, andererseits aber ohne deren Zustimmung nicht durchsetzbar sind.

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Sonntag, 3. September 2017
(Kein) Wahlkampf in Kiel
Noch drei Wochen bis zur Bundestagswahl, und ich bin nach wie vor sehr unentschlossen. Der Wahlzettel liegt einsatzbereit vor mir auf dem Schreibtisch, wie er aussieht, wenn ich ihn absende, ist mir immer noch völlig unklar.

In der Vergangenheit habe ich mehrmals die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, mit Repräsentanten der Parteien persönlich zu sprechen, man kann dann auf direkte Antworten drängen und auch nachhaken, wenn diese nicht zufriedenstellend gegeben werden.

Samstag, nachmittags um 14 Uhr, bei schönem Wetter und ausgerüstet mit einer Reihe von Fragen, habe ich mich in die Kieler Holstenstraße begeben. Dies ist, für Ortsfremde, die Haupteinkaufsstraße der Stadt, und erfahrungsgemäß drängen sich dort vor Wahlen die Stände, die die Passanten überzeugen wollen, für eine bestimmte Partei zu stimmen. Ich erinnere mich an die Bundestagswahl 1976, ich war noch lange nicht wahlberechtigt, bin aber mit zwei Plastiktüten voll mit Prospekten und diversen kleinen Wählergeschenken nach Hause gekommen. Diesmal hoffte ich weniger auf materielle Geschenke als auf Informationen.

Ich begann nahe der Straße Ziegelteich, da, wo die Rolltreppen zum Holstentörn auf die Holstenstraße treffen. Zur Landtagswahl im April hatte die SPD dort einen Stand, ich hatte die Erwartung, sie dort wieder anzutreffen. Leider war das nicht der Fall.

Ich ging weiter und sah am Kleinen Kuhberg einen Stand der FDP – wobei das übertrieben ist, auf einer Art Campingtisch lagen ein paar Prospekte, dazu gab es Kugelschreiber und Feuerzeuge. Immerhin fand ich schnell einen wirklich sehr kompetenten Ansprechpartner und bekam auf meine Fragen konkrete Antworten, herzlichen Dank dafür. Allerdings konnte auch er mir nicht sagen, wo ich seine Mitbewerber finde. Ich ging also weiter, fand aber weder am Asmus-Bremer-Platz noch an der Holstenbrücke oder auf dem Alten Markt weitere Ansprechpartner. Enttäuscht begab ich mich zum Bootshafen, um beim Duckstein-Festival Musik und kulinarische Genüsse (Spanferkel! Lange nicht gegessen!) zu genießen.

Ich bin wirklich verwundert. Pressemitteilungen ist zu entnehmen, dass ich zu einer großen Gruppe gehöre, etwa die Hälfte der Wahlberechtigten ist sich demnach noch nicht sicher, wem sie die Stimmen geben soll. Wäre da ein persönliches Gespräch keine geeignete Methode, mit seinen Argumenten zu überzeugen? Ich danke dem jungen Mann am FDP-Tisch für seine klaren und direkten Antworten. Ob ich seine Partei wähle, weiß ich immer noch nicht. Mal sehen, ob ich noch Quellen finde, die mir weiterhelfen.

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Freitag, 1. September 2017
Adieu, Holstenbrücke
Die Kieler Innenstadt verändert sich momentan rasant. Vor einigen Jahren verschwand das traditionelle Karstadt-Haus am Alten Markt, heute steht dort das Einkaufszentrum Nordlicht, größter Mieter dort ist der Elektronikmarkt Saturn. Am Bootshafen wurde aus der Schmuddelecke Wall, wo früher Beate Uhse einen mehrstöckigen Markt betrieb, eine Gastronomiezeile mit momentan vier Restaurants und Kneipen, Nummer 5 wird bald eröffnet, heute kann man bei schönem Wetter von den Außensitzen die Fähren von und nach Skandinavien betrachten, die beiden entsprechenden Kais liegen in unmittelbarer Nähe. Im Frühjahr wurden die ehemalige C&A-Zeile und das frühere Woolworth-Gebäude abgerissen, an beiden Stellen sind Neubauten geplant, die Bauarbeiten beginnen im nächsten Jahr. Und auch der Ziegelteich war mehrfach nur eingeschränkt befahrbar.

Die nächste große Veränderung erleben wir von der nächsten Woche an. Zwei der belebtesten Bushaltestellen im Zentrum werden dann nicht mehr angefahren. Die Linien, die bisher die Station „Bootshafen“ bedienten, fahren für voraussichtlich zwei Jahre eine andere Strecke am Schwedenkai entlang, die „Holstenbrücke“ verschwindet aber endgültig. Die gleichnamige Straße, bislang ein Verkehrsknotenpunkt, wird zu einer Wasserstraße, die momentan „Holstenfleet“ genannt wird, ich weiß nicht, ob das der endgültige Name ist. Sie soll 2019 fertig sein. Dieser Bau hat eine gewisse Logik, als Kiel gegründet wurde, war die Stadt eine Halbinsel, die nur am Schloss mit dem Land verbunden war. Der Kleine Kiel und der Bootshafen, heute Binnenseen, waren Teile der Kieler Förde, verbunden wurden sie durch eine Wasserstraße, die jetzt wieder entsteht, und über diese führte die Holstenbrücke als Verbindung mit der Vorstadt – daher der Straßenname.

In den nächsten zwei Jahren müssen wir mit einigen Einschränkungen leben, aber ich gehöre zu den Menschen, die zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die erwähnte Zeile am Bootshafen wurde eine schöne Visitenkarte der Stadt, und ich denke, dass das bald für den gesamten Bereich gilt.

Ein bisschen Wehmut empfinde ich trotzdem – ich bin ein Gewohnheitstier, und wenn ich in die Innenstadt möchte, ist es für mich selbstverständlich, mit dem Bus bis „Bootshafen“ oder eben bis „Holstenstraße“ zu fahren – in Zukunft muss ich mich daran gewöhnen, am „Martensdamm“ oder an der „Seebrücke (Ostseekai)“ auszusteigen und einige Fußmeter zurückzulegen.

Ich erinnere mich an den letzten Tag der Kieler Straßenbahn 1985. Ich habe an jenem Tag mehrfach die Strecke vom Kanal nach Wellingdorf zurückgelegt, das damals vertraute Klingen der Glocke wird immer in meinem Gedächtnis bleiben. Genauso werde ich am Sonntag die bald ehemaligen Haltestellen noch einmal anfahren. Gibt es noch viele Menschen, die sich daran erinnern, dass es an beiden Straßenseiten der „Holstenbrücke“ Kinos gab?

Die Innenstadt ist in den letzten Jahren öde geworden, sie hat nicht mehr das Flair der 1980er Jahre. Ich finde es schön, dass wie wiederbelebt werden soll, die ersten sichtbaren Zeichen gefallen mir sehr gut. Die Deutschen sind Nörgler, viele beschweren sich über die hohen Kosten oder den Gestank, der angeblich vom neuen Gewässer ausgehen soll – wieso eigentlich? Auch der Kleine Kiel und der Bootshafen sind durchaus ansprechende Binnenseen ohne Geruchsbelästigung. Ich warte das Ergebnis ab und freue mich darauf – kritisieren kann ich dann immer noch.

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Donnerstag, 31. August 2017
Regen in Texas
Wenn ich die Bilder vom Unwetter in Texas sehe, fällt mir ein Lied von der deutschen Eurovisions-Vorentscheidung 1998 ein.

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Mittwoch, 30. August 2017
Wahl-O-Mat
Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl ist online. Ich habe kürzlich geschrieben, dass ich in diesem Jahr sehr unentschlossen bin, daher freue ich mich über jede Entscheidungshilfe.

Ich habe die Auswahl auf die Parteien beschränkt, die eine realistische Chance haben, in den Bundestag zu kommen – selbstverständlich ausgenommen die menschenverachtenden Naziverbrecher AfD. Das Ergebnis war wie erwartet: Die Prozentzahlen lagen recht dicht beieinander, und nirgendwo erreichte ich eine Übereinstimmung von überzeugender Höhe. Ich habe ein ähnliches Programm auf einer anderen Seite wiederholt, die Fragen waren anders, das Ergebnis auch.

Ich werde mich also auf die persönlichen Gespräche mit den Wahlhelfern verlassen und hoffe, dass ich dort auf kompetente Menschen treffe, die meine Fragen beantworten können und meine Einwände und Bedenken verstehen.

Schon jetzt werden wieder Stimmen laut, die von nicht gehaltenen Wahlversprechen reden und denken, sie hätten damit eine Ungeheuerlichkeit aufgedeckt. Leider haben diese Personen das Wahlsystem nicht ansatzweise verstanden. Keine Partei kann allein im Deutschen Bundestag regieren, Koalitionen von zwei, vielleicht auch drei Partnern sind notwendig. Da ist es logisch, dass jede Seite Kompromisse eingehen muss, damit es am Ende ein für alle akzeptables Ergebnis gibt. Ich finde es erstaunlich, dass es tatsächlich Menschen gibt, die denken, dass das, was in einem Wahlprogramm steht, auch genau so umgesetzt werden kann – eine sehr realitätsferne Vorstellung.

Am Samstag finden in Kiel gleich zwei Veranstaltungen statt, das Duckstein-Festival und das Street Food Wochenende, beide im Zentrum, beide nicht weit voneinander entfernt, am Bootshafen und am Ostseekai. So ist neben den politischen Informationen auch für Unterhaltung und für das leibliche Wohl gesorgt – jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Ich hoffe, dass ich am Ende des Tages schlauer bin – vielleicht übe ich dann schon mein Briefwahlrecht aus.

https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2017/

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Dienstag, 29. August 2017
Veranstaltungstipp
Nach zweijähriger Pause kommt das Duckstein-Festival nach Kiel zurück. Ursprünglich dauerte es zehn Tage und fand an der Hörn statt; die Neuauflage ist etwas kürzer, sie dauert vier Tage, und ist an den Bootshafen umgezogen.

Geöffnet sind die Handwerks- und Gastronomiestände vom 31.8. bis 3.9.17 jeweils von 12 bis 23 Uhr, am Sonntag bis 20 Uhr, der Eintritt ist kostenlos. Live-Musik kommt unter anderem von Edo Zanki und seiner Band; das komplette Programm gibt es hier:

http://www.duckstein.de/festival-events/bootshafen-kiel/

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